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Beispiel Lafnitz oder: Aufstand der Dorfklubs

summerer

Licht Loidl, der Sponsor wird strahlen. Sein SV Lafnitz, ein Dorf-Klub am Fuße des Wechsels, steht in der zweiten Bundesliga auf einem Aufstiegsplatz. Eine Momentaufnahme, die aber bei Durchsicht von Regionalgazetten und/oder Online-Portalen einige Medienkollegen nicht daran hindert, in Zukunftsillusionen zu schwelgen. Ja, was wäre das für ein Fußball-Märchen! Fast erinnert es an Gullivers Reisen, also vom Land der Zwerge bis ins Land der Riesen, nicht wahr, oder? Nein, nein, eben nicht!

Inzwischen läuft´s im heimischen Fußball nämlich eher so gut wie umgekehrt, da wird nämlich der auch wirtschaftlich unabhängige Goliath, also RedBull Salzburg, mit zwei, drei halbwegs Großen (Rapid, Lask, leider noch nicht Austria) von finanziellen wie sportlichen Davids geradezu umzingelt. Zuerst gab´s ja nur Wien mit seinen Spitzenvereinen, von denen sich gerade die Grünen und die Violetten oben gehalten haben, dann kamen Meister aus Linz, Innsbruck, Salzburg und Graz ebenso dazu wie kleine Hauptstadtklubs in Klagenfurt und an der Wien-Peripherie (Admira-Wacker-Mödling). Alles aber mittlerweile Vergangenheit, weil seit geraumer Zeit die Dorfklubs oder kleinstädtischen Vereine den Aufstand proben – nicht erst, seit der SV Lafnitz den weit Größeren heimleuchtet!

Natürlich ist´s vor allem für Sozialromantiker des Fußballs spannend, wenn die Außenseiter als Riesentöter oder Favoritenschrecks nicht nur die erste Bundesliga auf-, sondern mitunter sogar in der Europa- oder gar Champions League mitmischen. Wie Wolfsberg (25.035 Einwohner als Großgemeinde mit 65 Kleingemeinden) dank des rührigen Hrn. Riegler, Ried im Innkreis (12.220 Einwohner) dank eines „Heizers“, Hartberg (6795 Einwohner) dank der engagierten Spendierhosen-Präsidentin Annerl, Wattens (7625 Einwohner) dank des Swarovski-Glasperlenspiels, und Altach in Vorarlberg (6769 Einwohner) dank des Wettanbieters Cashpoint. Auch St. Pölten, obwohl NÖ-Hauptstadt (55.560 Einwohnern in 42 Gemeinen), könnte man ja dazuzählen.

So toll manch einer dieses neue Kräfteverhältnis, besser: die fast umgekehrte Macht-Verteilung im heimischen „Spitzenfußball“ finden mag – entstanden ist sie keineswegs aus Gründen der Vernunft, vielmehr aus Abgründen verwirtschafteter Vereine, verlorener Talente und verspielter Tradition vor allem in Groß- wie Hauptstädten des Landes. Stell dir vor, jetzt käme statt der Admira noch der SV Lafnitz nach oben, dann müssten schichtweg alle (Flyer-)Alarm-Glocken läuten, wenn´s wirklich so käme. Lafnitz liegt, überspitzt formuliert, nur einen Steinwurf von Hartberg entfernt und zählt, ich wag´s kaum zu schreiben, ganze 1435 Einwohner.

Stell dir vor, der Bundesliga-Klub in spe müsste alle regelkonformen Vorschriften erfüllen, um oben daheim vor und für seine Fans tatsächlich mitspielen zu können. Stell dir vor, die übernehmen sich dabei finanziell so, wie es vordem schon anderen Klubs passiert ist, die nach Himmelstürmen bis zu Pokalsiegen inzwischen in dritten, vierten, fünften oder sogar ganz verschwunden sind. Sternstunden folgte oft Katzenjammer, weil der Weg vom Traum zum Alptraum nicht weit war. Wenn dem großen Gönner Loidl angesichts dieser Beispiele ein Licht aufginge, wär´s ihm sicher nicht zu verdenken.

Zurück bleibt nämlich auch die Frage, ob diese Idee auch den leider oft in ihrer regional-lokalen Gedankenwelt versunkenen Fußball-Entscheidungsträgern irgendwann kommt. Und ihnen dann vielleicht auch einfällt, dass es in vielerlei Hinsicht mehr Sinn macht, wenn durch vernünftige Konzentration der Kräfte einige Hauptstadtklubs so gestärkt werden, dass sie die modernen Euro-Stadien bald wieder füllen können statt vor leerer Kulisse nur die zweite Geige für Dorfklubs zu spielen. Und dazu müssen ja nicht gleich Bäume in den Himmel wachsen…

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