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Berlin-Marathon: Im Drama um verfehlten Weltrekord kam Schlagzeilensucht zu Wort

Ich weiß  nicht, wer von meinen treuen Blog-Lesern den Berlin-Marathon im (RTL)-Fernsehen verfolgt hat, wer aber live dabei war, der hat bei einem Drama, wenn  nicht Tragödie, im Rennen der Frauen zweierlei erleben können. Zum einen die unglückliche Äthiopierin Assefa, die drauf und dran war, auf der bekannt schnellen Strecke  einen Fabelweltrekord aufzustellen, ehe sie zwei Kilometer vor dem Ziel kurz nach dem geschichtsträchtigen Brandenburger Tor von muskulären Problemen eingebremst wurde, mehr humpeln musste als sie laufen konnte.

Bewundernswert, wie die Äthiopierin gegen das Schicksal ankämpfte, zumindest für mich eher peinlich allerdings die patriotisch angehauchten Worte des Kommentators, der aus seinem Frust, höhere Gewalt würde nicht nur Assefa, sondern auch Berlin und Deutschland um einen Weltrekord bringen, geradezu verzweifelt rief. „Man sieht, dass du humpelst und wie du leidest, aber komm´ (Mädel), beiß´ die Zähne zusammen, es ist  nicht mehr weit!“ 

Als der Uhrenzeiger von Grün auf Rot sprang, also klar war, dass aus dem fast sicheren Weltrekord mit bis zu 20 Sekunden Vorsprung auf die Marschtabelle leider ein Rückstand von einer guten Minute werden würde, schien der gute Mann am Mikrophon noch enttäuschter zu sein als die vom Schicksal geprügelte, schmerzgeplagte Äthiopierin. Kein geringerer als ihr legendärer Landsmann, der Olyympiasieger, Weltmeister, Weltrekordler und Berlin-Sieger Haile Gebreselassie, spendierte mit Trinkflasche auch Trost. 

Da jede Marathonstrecke ihre eigenen Kriterien und Charakteristika besitzt, lassen sich  Zeiten schwer vergleichen. Fakt allerdings war und ist, dass Assefa bis zum muskulären Problem so schnell unterwegs gewesen war, dass sie auch den österreichischen Männer-Rekord des Austro-Amerikaners Aaron Gruen locker gebrochen hätte, der  nur senige Sekunden besser ist als der aktuelle Frauen-Weltrekord (Chepngetich, Eth, 2:09,56).

Diese Relationen herzustellen, werte Blog-Leser, muss erlaubt sein, um Leistungen ordentlich einschätzen zu können, mit denen Normalverbraucher und Insider sonst wenig bis nichts anfangen können. Und daran ändert sich im Medienrennen um knallige Titel und Schlagzeilen ebnfalls wenig  bis nichts. Das wieder ist keine Missachtung österreicnischer Marathon-Läufer: Innen, die österreichische Bestzeiten aufstellen, aber wenn  ich nicht irre, so ist der heimische Frauen-Rekord um etwa eine Viertelstunde langsamer als der Weltrekord für Frauen, den übrigens auch der österreichische EM-Teilnehmer auf der doch selektiveren Strecke in Birmingham um gut fünf Minuten verpasste. Um diese Zahlen, Fakten und Daten kommt man beim besten Willen nicht herum.  

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