Mein früherer Pressekollege, der am Ende seiner ORF-Karriere noch TV:Sportchef wurde, Hansi Huber also, hätte gesagt: Da hat nicht viel gefehlt! Stimmt! Zeitweise hätte man den Eindruck bekommen können, dass die noch ballsichereren Protest-Afrika-Sieger und WM-Vierten 2022 aus Marokko die Leiberln mit dem fünfmaligen Rekordweltmeister Brasilien getauscht hatten, denn sie ließen die blaugelben mit zwei-, drei Ausnahmen doch nicht Superstars lange genug im Kreis laufen. Hätten sie nach dem 1:0 aus ihren Großchancen nachgelegt und nicht durch eine Einzelaktion des ballverliebten, schusssicheren Real-Madrid-Individualisten Vinicuus jr. das 1:1 kassiert, wer weiß, wie es gelaufen wäre, Champion-League-Rekordtrainer Ancelotti hin oder her. Die längste Zeit war auch kein taktisches Konzept zu erkennen gewesen.
Ja, werte Blog.Leser, ich werde mir jetzt vielleicht neue Feinde machen, wenn ich ihnen sage, dass zwischen medialem Klischee und der Realität schon seit Jahrzehnten ein Loch besteht, das aber in absoluter Schablonen-Treue, als würden der echte Pele und der weiße namens Zico noch leben, weiter nachgeplappert wird sehr zur Freude von Managern, die brasilianischen Durchschnitt in Europa und rund um den Globus als Weltklasse/Stars verkaufen, als wäre Brasilien immer noch die Nummer 1 wie vor Jahren.

Ja, es hat sich eingebürgert, wider besseres Wissen oder aus Unwissenheit die Superlative von gestern mit der Wirklichkeit von heute zu verwechseln. Es ist ja wohl kein Zufall, dass Brasilien seit 2002 nichts mehr bei einer WM gewonnen und bei der Heim-WM „2014 im Semifinale gegen die seither auch nicht mehr erfolgreichen deutschen Weltmeister von damals ein 1:7 in Rio kassierten – ein Schützenfest, das sie früher selbst in ähnlichen Dimensionen gefeiert hatten. Und es ist auch kein Zufall, dass Brasilien mit Ach und Krach als Fünfter der Südamerika-Quali direkt ohne Playoff die 48er-Endrunde erreicht hat.
Wie sich die Welt ändert, so ändert sich auch die Gesellschaft. Auch in Brasilien, wo die ehemals an Stränden wie Copacabana gelegenen Favelas, also die Armenviertel als Brutstätten der Samba-Ballzauberer, mit Grund und Boden an Hotelkonzzerbe verscherbelt und dievSkuns ab due Peripherie verkagert wurde, ähnlich der Rennbahbsiedlung bei uns. Das war der Grund, weshalb Zico als Sportminister nach Gründung von Fussball-Akademien rief. Auch die aber sofern installiert, waren kein Patentrezept. Ohne Strandkick, der dazu zwang, die Bälle in der Luft zu nehmen, weil sie sonst im Sand verspringen, werden die Zauberer immer nehr aussterben mit wenigen Ausnahmen wie der geniale, aber unverechenbare bis egomanisch Vinicius jr, einer der letzten Brasil-Stars, die dieses Prädikat erfüllen.
PS: Als ich 1985 nach dem GP-Training in Rio-Jacarepagua (Krokodilssümpfe) im Sheraton Hotel, Avenida Niemayer, das TV-Gerät einschaltete, kam ich beim Surfen zu einem Junioren-Fußballmatch, in dem das oberste Prinzip lautete: Wer steht, der liegt,.Ich musste zweimal hinhorchen, um zu glauben, was ich da hörte – Finale der brasilianischen Juniorenmeisterschaft zwischen den Rio-Cariocas und den Sao Paulo-Paulistas. Und seitdem werden auch immer mehr Defensivkünstler aus Brasilien importiert und engagiert Stürmer wie der ständig verletzte Neymar zeoichnete sich auch als Schwalben-Spezialist und Rollendreher aus…,