Kaum wurde Lindsey Vonn als älteste, mehrfach runderneuerte, mit künstlichem Teil-Kniegelenk rasende Weltcupsiegerin abgefeiert, carvt und kurvt ihr zumindest statistisch gesehen die 11 Jahre jüngere Landsfrau Mikaela Shiffrin vorerst allerdings nur via Slalom auf und davon mit dem 105. Weltcupsieg, bei dem sie die regierende Weltmeisterin Camille Rast um nicht weniger als 1,55 Sekunden hinter sich ließ. Ja, wie macht das nur die übrigens auch fesche Verlobte des Comeback-Elches Kilde, dass sie nach schmerzhaften Verlusten (Tod des Vaters) und ebenso schmerzhafter Bauch-Verletzung in aller Weiblichkeit und ohne bulliger „Dos-ierung“ in einer eigenen Liga fährt, in der sie selbst so gut wie immer und überall bestimmt, mit welchem Abstand sie Slaloms gewinnt? Jetzt den vierten in Folge.
Wenn wir in der Skigeschichte Shiffrin blättern, dann steckt ganz schön viel rotweißrotes Knowhow hinter einem der beispiellosesten Siegeszüge auf Weltcuppisten. Hätte es die Hubers aus Salzburg nicht gegeben, den leider zu früh verstorbenen Rupert, genannt „Killy“, Ex-Profi und ehemals Atomic-Produktionschef, und den Rudi, den damaligen Atomic-Rennleiter, und nicht zuletzt den vom ÖSV aussortierten BWL-Absolventen und Olympiavierten von Salt Lake 2002, Kilian Albrecht, den alternativ für Bulgarien, danach als Profi in den USA fahrenden Wahltiroler aus Vorarlberg, wer weiß, ob aus dem Girl aus Vail die beste Läuferin aller Zeiten geworden wäre, wer weiß?
Shiffrin hat ihre Mentoren, die sie als Teenager entdeckt und gefördert hatten, weder enttäuscht noch vergessen oder verlassen wie manch andere Stars/Starlets, ganz im Gegenteil dazu setztesie stets auf Konstanz. Shiffrin vertraut seit Schülerzeiten auf die Atomic-Technik und als (nicht nur) Kraftspender seit Teenagertagen auf italienische Spaghetti. Motto: Es muss nicht immer RedBull sein, um vor Energie zu strotzen. Es kommt auch auf die richtige Dosis an, was und wie viel man wann und wo trainiert.
Und auch da waren und sind neben der mütterlichen Begleiterin Eileen österreichische Coaches mitverantwortlich gewesen für den unaufhaltsamen Aufstieg von Mikaela wie der Ex-US-Alpin- und aktuelle Bullen-Alpinboss Riml und Erfolgstrainer Hödlmoser, der auch einen der Christian-Mitter-Brüder ins Betreuerteam holte. Und diese Mischung, gepaart mit typischen amerikanischen Eigenschaften wie Unbekümmertheit, Selbstbewusstsein und Risikofreudigkeit, haben das schon vor 15 Jahren gestartete Projekt Shiffrin zum Langzeit-Erfolgsmodell auch als Bullen-Kontrastprogramm gemacht. Andersrum gesagt heißt das, dass wir Österreicher quasi mit unserem Wissen von Kennern und dem Können von Könnern die beste Alleskönnerin der Weltcupgeschichte am eigenen Busen genährt haben. Aber wenn der Schein nicht trügt, dann fehlt es hierzulande offenbar an solchen mit vielen Talenten und auch Selbstüberwindung gesegneten Läufer: Innen wie die Ausnahme Shiffrin, die mit österreichischem Knowhow der Gegnerschaft die Ski-Enden zeigen. Wäre schön, könnten mich die ÖSV-Damen vom Gegenteil überzeugen – und damit mich und auch Shiffrin überraschen.
