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Erinnerungen an Bela Gutmann, den Stadtliga-Klub SC Maccabi und ein Jüdisches Benefiz-Spektakel

Im Vorjahr wurdem, soweit ich mich erinnere, der 100. Jahrestag des ersten und letzten Meistertitels des legendären jüdischen Fußballklubs  Hakoah, der sich mehrheitlich in und nach der k. u. k.-Epoche mit mehrsprachigen Ungarn aus Budapest und Umgebung versorgt. Darunter auch der unvergleichliche Bela Gutmann, mit dem ich einst als Kurzzeit-Teamchef und Austria-Feuerwehr (mit Joschi Walter) das Vergnügen hatte,  ein  (TV)-Interview zu führen, jedenfalls um Eckhäuser lustiger als jenes mit Professor Dr. Walter Schleger, als der nach Wien getrampte Kicker aus dem Sudetenraum als Rektor der Tierärztlichen Hochschule noch in der Bahngasse, wo jetzt musziert wird, inauguriert wurde. Zu ernst, um witzig zu sein.

Da war Freund Gutmann, der viele Länder der Welt bereist und dabei als Exilant sportliche Erfolge samt Mammon – schießlich muss der Mensch ja von was leben – gesammelt hatte, ein anderes Kaliber. Meine zugegeben naive Frage, ob er sich was Lustiges einfallen lassen könnte, beantwortete er doch eher abschätzig in seinen  Magyar-Akzent betontem Deutsch so: „Gutester, hab ich mei Leben lang vom Schmäh gelebt!“ Jüdischem, der in seiner originalen Form kaum  noch zu finden ist außer auf Bühnen  – und da meist mit politischen Untertönen. Anders als bei Farkas. Gutmann war in der ersten Nachkriegszeit aus Sao Paulo geholt worden, um den damaligen Serie-A-Klub Lanerossi Spal vor dem Abstieg zu retten. Beim ersten  Training vor dem Schlüsselspiel gegen Ambrosiana (heute Juventus)  ließ er die Spieler eine halbe Stunde lang einal mit der rechten, einmal der linken Hand im Sprung nach oben greifen: Die Spieler waren perplex. Irgendwann fragte der Kapitän: „Maestro, was  ist der Sinn und Effekt dieser Springerei mit der Hand nach oben, wenn wir jetzt gegen den Ersten spielen?“ Gutmann hat seiner einzigartigen Art so geantwortet: „Wissen Sie, junger Freind, ob Erster oder Letzter, das ist jezko jedno, weil Geld liegt immer ganz oben!“ Einfach herrlich, mit welcher Schlagfertigkeit der damals nicht mehr taufrische Bela reagiert hat.

Das ist ein  abgeschlossenen Kapitel jüdischer Sport-Vergangenheit, die bei Hakoah mit einigen Spitzensportler: Innen im  Schwimmen, Judo etc. wieder auflebt neben der Donau Marina, nur nicht im Fußball. Mein alter Kämpferfreund Wolfi Winheim ist mir zwar mit einem lesenswerten Bericht zuvorgekommen, was mich aber nicht hindert, mich des gar bixcht heiklen Themas anzunehmen – und über den spätem Fußball-Erben der Hakoah zu berichten. Er heißt, wie so viele Klubs in Israel eben Maccabi, genauer gesagt SC  Maccabi mit Sitz in der Leopoldstadt, die ja schon immer eine jüdische Enklave in Wien gewesen war. Der SC Maccabi  ist  noch jung, er wurde erst 1990 von Oskar Deutsch, dem  aktuellen Chef der Kultusgemeinde, ins Leben gerufen. Mittlerweile spielt Maccabi in der Wiener Stadtliga im Mittelfeld mit – als Klub,bei dem alle Kicker willkommen sind, egal welcher Religion oder Rasse – also zu 50 Prozent auch solche, die NICHT jüdischer Herkunft oder jüdischen Glaubens sind.  Das bedeutet andersrum auch, dass unter Michael Margules als Vorstandsboss im Kleinen ein Muster mit Wert geschaffen hat, vom dem man im Großen  vorerst nur träumen kann …

Anders als zu Zeiten des nicht jüdischen Joschi Walter  und des Großsponsors Poldi Böhm sind in ageren Zeiten wie diesen die Geldgeber eher zugeknöpft, weshalb sich auch der Viertligist nach der Decke strecken muss. Und damit schließt sich auch der Kreis zu den jüdischen Witzbolden, Schmähbrüdern und sportlich versierten Literaten wie ehedem ein Friedrich Torberg („Hoppauf, HerrJud!“) im 20. Jahrhundert. Am  7. Mai, dem Tag, an dem meines Wissens nach das KZ Mauthausen vom den Nazionalsozialisten befreít wurde,  gibt´s im  Hernalser Metropole des Hrn. Hofbauer ein jüdisches Benefiz-Spektakel unter den Titel „Wuchteln für Maccabi“ mit den Humoristen Roman Grinberg und Aliosha Biz, Jasmin Meiri-Brauer und dem Gentlemen Music Club. Erstens gibt es noch Karten zu kaufen und zweitens, man darf das ja in der  neuen Maccabi-Liberalität so sagen, gäb´s ja auch noch den (katholischen) Klingenbeutel, bei dem man sich neben dem Erwerb der noch vorhandenen Tickets für den witzigen Abend bedanken kann. Ajuch M,einvieh m acht Mkist, so sagt der Volkksmund. Carpe diem, damit nix für die Katz is….  

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