Der neue Generalsekretär des österreichischen Skiverbandes, Jan Überall, hat nach einer FIS-Tagung die ersten Medien-Auftritte hinter sich, wobei sich die Themen vor allem um das unter Milliardär Eliasch dramatisch geschrumfte Konto des Weltverbandes ebenso drehten wie um alljährliche Weltmeisterschaften – und die andere Gretchenfrage, ob der Weltcup nicht auch im Sommer in der südlichen winterlichen Hemisphäre eine Renn – und nicht nur Trainingssaison haben sollte.
Überall, 38, vor seinem Wechsel zum ÖSV (Ski Austria) jahrelang Generalsekretär des Ski-Clubs Kitzbühel und rechte Hand des KSC-Präsidenten, FIS-Vorstandsmitglieds und Streif-Spektakel-Bosses Dr. Michael Huber, bezog da unterschiedliche Positionen. Zum einen erteilte er einer Alle-Jahre-wieder-WM im Gegensatz zu den meisten Topstars wie Odermatt oder Von Allmen, die darin eine inflationäre Titel-Entwertung sehen, keine dezitierte Absage, will aber andererseits den Weltcup auf die klassischen Kernländer des Skisports beschränken, also auf Tradition und Geschichte statt auf eine a la longue-Eroberung neuer Märkte setzen.
Zumindest hat Überall (Foto links) das beim Servus.TV-Talk im Hangar so artikulkiert, womit er beim emeritierten Ex-Weltklasseläufer Philipp Schörghofer auf einen Widerspruch stieß, der im Wettlauf des Skirennlaufs mit Weltsportarten viel auf sich hat. Das auch von meinem geschätzten Kollegen Christoph Geiler ins Treffen geführte Argument, in exotischen Skiländern wie China oder Korea würden Zuschauer nicht einmal wissen, dass es Rennen mit zwei Durchgängen gebe, ist meiner Meinung nach nicht stichhältig, weil gerade in diesen Ländern ohne Skitradition auch im Sinne der einschlägigen Industrie die Devise lauten sollte: Steter Tropfen höhlt den Stein!
Einmalige, selbst olympische Gastspiele mit für ebendort unbekannten Größen, sind alles andere denn ein Indiz, dass Skirennsport nota bene in schneesicherer Bergregion forever ein Fremdkörper bleiben würde. Tatsächlich ginge es beim Sommer-Weltcup in fernen Ländern südlich des Äquators weniger um TV-Einschaltquoten in unseren Alpenländern, sondern darum, den Skirennlauf von Südamerika bis Australien/Neuseeland via Live-TV den ansässigen Sportfans vorort näherzubringen und damit auch zu popularisieren.
In diesem Zusammenhang möchte ich darauf verweisen, dass solch kapitalistische Sportarten wie Golf und Tennis bis Mitte der 90er-Jahre in China so gut wie verboten und tabu waren, sich inzwischen jedoch zu Top-Hits mit Millionen an Preisgeldern, dazu aber auch Galionsfiguren entwickelt haben, die Grand-Slam-Titel und Olympiasiege gefeiert, oder mit Turniererfolgen der Golfwelt mehr als nur ein Loch geschlagen haben.
Objektiver Umkehrschluss, mit dem sich auch Jan Überall wohl auseinandersetzen wird müssen: Wer nichts versucht und riskiert, kann auch nichts gewinnen. Und das gilt gerade in Zeiten des Ganzjahressports auch für FIS und ihre Mitglieder. Zumindest die (Matten) Schanzenjäger haben das als springenden Punkt erkannt…
