
Wenn ich mich recht entsinne, dann hat der TV-Kommentator davon gesprochen, dass der Slowene Domen Prevc das Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf mit dem bisher größten Vorsprung von 17 Punkten und Zerquetschtes gewonnen hat. Da ich von Haus kein Statistiker bin, der unter allem Umständen versucht, irgendetwas Außergewöhnliches herauszukitzeln, möchte ich doch daran erinnern, dass Österreichs größter Schanzen-Goldschmied als Springer wie Trainer, nämlich Toni Innauer, inzwischen auch als TV-Experte emeritiert, noch im alten Parallelstil nach einer hartnäckigen Krise anno 1980 in Lake Placid mit dem exakt gleichen Vorsprung genau jene Goldmedaille gewonnen hat, die ihm vier Jahre davor der Teamkollege Schnabl vor der Nase weggeschnappt hat.
Dieses einstige Zornbinkerl, das nach dem Olympiasieg (damals auch Weltmeister) und dem Sportwissenschaftsstudium als Trainer und Sportdirektor fast alles gewann, was man gewinnen konnte, ist auch als Schanzen-Pensionist immer noch ein aufmerksamer Beobachter der Szene – und damit auch der Vierschanzentournee, in der er zwar als Athlet bei drei von Springen triumphiert hatte, aber nie den Geasamtsieg erringen konnte. Was ja nichts daran ändert, dsass Innauer mit den Adler-Augen eines ehemaligen Wunderkindes genau sieht und erkennt, wer wo und warum welche Vor- oder Nachteile besitzt.
Innauer gehört ganz sicher nicht zu jenen Expeerten, die in patriotischem Überschwang oder Frust jubeln oder jammern, sondern war und ist als Schanzen-Intellektueller ein glasklarer Analytiker. Auch die Slowenen und Domen Prevc aus der erfolgreichen Springer-Dynastie,kennt der Vorarlberger mit Tirol-Wohnsitz Thaur bei Innsbruck wie seine Westentasche. Und da die jahrelange ziemlich labile Wundertüte wie auf Knopfdruck seit kurzem allen anderen Weitenjägern nach Belieben auf und davonspringt, kam Innauer zu dem Schluss, „dass das für mich mit dem Absprung allein nicht zu erklären ist, da spielt auch das Material eine Rolle. Wenn er das ausnützt, ist´s ok. Es ist halt inzwischen alles zu einem Grenzgang geworden!“
Hätte es einer Bestätigung der These bedurft, dann hat ihn der slowenische Trainersohn und Domen-Teamkollege Timi Zajc geliefert. Er wurde nämlich als Zweiter (ex aequo mit Tschofenig) wegen eines nicht regelkonformen Anzugs disqualifiziert. Aber Materialvorteile hören ganz sicher nicht beim Anzug auf, da gibt´s auch noch andere Komponenten. Innauer selbst hatte einst, als der legendäre, im Vorjahr verstorbene Baldur Preiml das Skispringen revolutionierte, von seinem Pioniergeist profitiert. Also weiß er auch, wovon er als Insider spricht, der sich selbst einmal mit 17 Punkten Vorsprung vergoldet hatte. Von Adler zu Adler