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Hans Kary 75: Ballbub, Vollprofi, Legende, Mann mit Handschlagqualität

Am heutigen Freitag, 23. Februar, lud der seit 50 Jahren eingesessene Wiener aus Kärnten, Hans Kary, zu seinem 75. Geburtstag in die Champions Bar des Vienna Marriott Hotels, das er des Öfteren frequentiert – auch mit anderen Promis wie Karl Schranz und mit meiner Wenigkeit. Der Hansi war kein Grand-Slam-Champion wie später ein Muster oder Thiem, nein, das war Kary nicht. Aber wer weiß, ob Österreichs Tennis jemals diese Asse aus dem Ärmel hätten ziehen können, hätte es nicht diesen Kärntner aus Spittal an der Drau gegeben, der als Bub erst Bälle in Radenthein aufklaubte, ehe er schon als Teenager seinen ersten Meistertitel gewann.

Und wer weiß, hätte es nicht auch seine Radenthein-Mentoren gegeben, die damals im Tennisverband wichtige Funktionen bekleideten, er wäre vielleicht ein Halbprofi geblieben und nicht Österreichs erster Vollprofi geworden, der die große weite Tenniswelt entdeckte und mitunter auch eroberte. Die Schwendenweins und Resslers setzten damals beim ÖTV-(und Eishockey)-Präsidenten Wasservogel durch, dass der talentierte, ziemlich vorlaute Kärntner Jungspund als Profilehrling mit ein paar tausend Dollar auf Weltreise nach Neuseeland und Australien geschickt wird. Unterton: Da hast a Kleingeld, aber Aufbessern musst es schon selber.

Hans Kary als Stadthallen-Semifinalist 76. Und mit vier Daviscup-Generationen (Pazderka, Koubek, Muster und der 75er Kary, v. l.)

Und der talentierte Linkshänder schmierte sich tatsächlich noch was aufs Brot. So war Kary vor mehr als einem halben Jahrhundert der erste Österreicher, der bei den Australian Open in Melbourne, dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres, auftauchte. Zur Überraschung manch Einheimischer, die ihre Verwunderung über Austria in Australia mit folgenden Worten ausdrückten: Wir haben gedacht, dass es bei euch nur Skifahrer gibt!

Den Durchbruch zu einem auch im eigenen Land respektierten Topsportler schaffte Kary anno 1970 im umnebelten Edinburgh, als er auch mit Hilfe des späteren Grazer Seniorenweltmeisters Peter Pokorny mit zwei Einzelsiegen den Daviscup-Triumph gegen Großbritannien fixierte. Ein Sieg, der ihm damals auch die Türen zu großen Turnieren öffnete, bei denen er sich als seine eigene Größe als Spaßvogel oder fluchender Rohrspatz etablierte – stets eine Persönlichkeit, die auch Geister schied in Zeiten, als er sich auf Augenhöhe mit Feigl duellierte.

Kary gewann (übrigens im Finale gegen Feigl) im fernen Lagos seinen einzigen Grand-Prix-Titel, dafür hat er in seiner Karriere solche Kaliber wie die Weltranglistenersten oder Wimbledon- und Grand-Slam-Sieger a la Ilie Nastase, Stan Smith, Jan Kodes und Adriano Panatta besiegt, dazu Top-10-Größen wie Franulovic, Jauffret, Barazzutti, Clerc, Kuhnke und eine Reihe anderer Granaten seiner Epoche(n) mehr. Er stand 1976 als erster Österreicher im Stadthallen-Semifinale. Und er hatte das Glück, dass ihm im Rahmen eines US-Turniers eine musikalische Ikone wie Elvis Presley über den Weg lief, die mit ihm plauderte. Kurzum, er war nicht nur dabei, sondern mittendrin im großen Geschehen… 

Als Selfmademan der Tenniscourts wurde er zum Begriff und zur Legende, die nach der Langzeit-Karriere (auch im Daviscup, 60er bis 80er-Jahre, positive Bilanz) nicht nur der Filzkugel treu blieb, sondern auch seiner schwer erkrankten Frau Ina, die er jahrelang bis zu deren Tod vor wenigen Jahren aufopferungsvoll pflegte. Kary hat im heimischen Tennis neue Kapitel aufgeschlagen, er blieb aber nichtsdestotrotz immer ein Mann alten Schlages, auf den sich jeder verlassen konnte.

Dass ausgerechnet ihn, der auf Handschlagqualität vertraut, ein (inzwischen verurteilter) Halsabschneider um viel Geld erleichterte, ist ein tragisch-absurder Teppenwitz am Rande. Auch mit einem Dreivierteljahrhundert am Buckel wird’s der kernige Hansi so überstehen, wie er sich einst als erster Profi durchgesetzt und einen Namen gemacht hat. Die wahren Freunde des Jubilars wissen es zu schätzen. Herzlichen Glückwunsch. Und ad multos annos!

 

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