
Als Böhmen noch bei Österreich war, Österreich war – ja, dann könnten wir heute einen Skieg im Super G von Gröden feiern. Da das mehr als hundert Jahre her ist, können die Tschechen dank Jan Zabystran mit dem vom tschechischen Millionär Nemec gekauften und revitalisierten Kästle-Ski aus Vorarlberg ihren allerersten, historischen Weltcup-Alpinsieg bejubelen und zelebrieren. Jan Zabystran, who? Nein, nein, er wurde zwar Nachfolger des Liechtensteiners Markus Foser, der 1993 mit Nr. 66 oder 69 den heimischen Rettungsanker Werner Franz (Nr. 53) im Sonnenschein nach Nebel noch abgefangen hatte, als alle im Pressezentrum neben der Kirche von St. Christina – damals noch ohne Handys – irgendwelche Inside oder Coaches um Infos über den Sieger bettelten, damit sie ordentiche Storys basteln können.
Jan Zabystran hat nämlich anders als Foser, der nie wieder auf dem Podest stand im Gegensatz zu Franz, der mehrmals gewinnen konnte, schon oft aufgezeigt, ist regelmäßiger Top 20-Lufer odder an bzw sogar Top 10 – und hat auch von der Zusammenarbeit nicht nur mit Kästle, sondern auch vom Speed-Training mit den deutschen Alpinen rund um ÖSV-Flüchtling Romed Baumann ebenso profitiert wie von hausgemachter böhmischer Expertise. Seien Sie, werte Blog-Leser, nicht verwundert, wenn ich das behaupte, was natürlich einen Prager Background hat, der im wahrsten Sinn des Wortes eine Bank war und ist für den tschechischen Premierensieger. Ondrej Bank, sein Vorgänger als Weltklasseläufer, war 2015 unterwegs zu einer WM-Kombimedaille gewesen, wenn nicht der Goldenen, ehe er beim Zielsprung einen Horrorsturz baute – und damit den Weg für Hirscher freimachte. Ondrej, sein Vorbild, und dessen Trainerbruder sind jetzt seine Betreuer, die mit ihm erleben durften, was ihnen durch eigenes WM-Pech vor zehn Jahren entgangen war …
Und wo waren an diesem historischen Tag die jungen ÖSV-Hoffnungen, von denen Comeback-Kid Felix Hacker im Talon blieb? Keiner konnte die Gunst der Stunde so nützen wie nicht nur der Tscheche, der den vermeintlichen Odermatt-Doppelpack um 0o,22 Sekunden verhinderte. Auch andere junge, kaum bekannte Namen gingen mit dem Highspeed-Super-G besser um als unsere hochgejubelten „Helden“, die der Reihe nach patzten, nach kapitalen Fehlern stürzten oder ausschieden.
Ein Indiz mehr, dass im gelobten Skiland Östrreich ziemlich viel faul ist, sonst würden uns nicht die vermeintlichen Nasenbohrer aus Neuseeland, Kroatien, Griechenland,Belgien, Andorra um die Ohren fahren, da kann das Roiserl im Ziel noch patriotisch klatschen. Wir Können deshalb in Neidgenossenschaft höchstens in aller Nostalgie sagen: Als Böhmen noch bei Österreich war, Österreich war, woher auch Schranz-Mama Anna, böhmische Köchin wie so viele in dieser Zeit, nach Tirol gekommen war!