Ob Schwimmen, ob Leichtathletik, wer sich also da (23) wie dort (24) die aufgeblasenen Euro-Rekordteams anschaut, mit denen die beiden Verbände breite Europa- bis Weltklasse vorgaukeln, wird – lachen sie nicht angesichts der Entscheidungsträger – an die ORF-General-Wahl erinnert. Gib´st Du mir, geb´ ich Dir. Gelernt ist gelernt seit Jahrzehnten. Und da es seit ebenso langen Jahren immer wieder einige Ausmahmesportler gibt, die den üblichenRahmen sprengen, hat sich im Namen der Nomenklatura dieses Auswahlsystem etabliert. Postenschacher der anderen Art, der je nach Disziplin immer Saison hat…
Und da sich mit wenigen medialen Ausnahmen fast niemand im Normalfall dafür interessiert und sich dementsprechend kaum auskennt bei heimischen Leistungen im internationalen Vergleich, lässt sich heiße Luft in so heißen Zeiten wie diesen mit Hilfe des ORF, da sind wir wieder, und dazu noch Kennern der Szene wider besseren Wissens den TV-,Zeitungs- und Onlime-Konsumenten bestens unterjubeln. Und dazu gehören im 50m-Schwimmbecken wie auf der 400m-Laufbahn auch die Staffelrennen, bei denen es nicht ganz so schwer ist wie in Einzelbewerben, womöglich unter die Top 10, 12 bis 16 im Europa zu rutschen. Hauptsache, beim politisch abgesegneten Staffelstabwechsel geht es mit (un) rechten Dingen zu.
Bei Durchsicht der „Rekordlisten“ stößt man auf einige Ungereimtheiten, was Limits betrifft oder den oft lange zurückliegenden Zeitpumkt, zu dem sie – wenn überhaupt – erbracht wurden. Auch in Staffeln, die ja eher selten in der optimalen Besetzung geschwommen oder gesprintet werden. Oder im Marathon, wo ein Dauerläufer wie Andreas Vojta, der von der Mittelstrecke kam, weniger als internationaler Evergreen denn als Sohn eines (roten) Langzeit-Bürgermeisters wieder mit von der ÖLV-Birmingham-Partie ist. Und das, obschon er beim Wien-Marathon mehr als 5 Minuten hinter dem Ö-Rekord und eine Viertelstunde über dem Weltrekord blieb. Sind das, Hand aufs Herz, wirklich die Entsendungskriterien? Oder eher, wie mir hinterbracht, als Dank für manch Förder-Mammon, den er vermitteln konnte?

Kontrast programm: Marathonmann Andreas Vojta, ÜberlebenskämpferinMarlene Kahler
Und wenn ich mir das Damen Schwimm-Team für Paris anschaue, dann hätte es ohne Zulauf- bis Zukauf womöglich gar keine Amazome in die Olympiastadt geschafft, denn Iris Julia Berger, Tochter eies Ö-Professors, die Bis 2023 für Deutschland startete, jetzt in Dönemafrk lebt, wurde „heimgeholt“ wie Frau Sinja Kraus im Tennis, Aviva Hollinsky lebt und trainiert in England und Nida Omid, das große, vielleicht bei einer EM überforderte Talent ist Tochter afghanischer Zuwanderer, die von der Russin Kropotova trainert wird, und last but not least als heimisches, in vier Los-Angeles-Jahren gehärtetes Produkt die US-Heimkehrerin Marlene Kahler.
Vor Marlene ziehe ich nicht den Hut, aber die Kappen, die meine Chemo-Glatze schützen. Im April sprang sie nach inneren Blutungen und einer Notoperation dem Schlimmsten von der Schaufel, um keine zwei Monate danach eine Klasse für sich bei den OSV-Titelkämpfen zu werden. Mehr als nur eine oder mehrfache Meristerleistung, von der die heimische Sportwelt mit engem Horizont, verzückt von einer sportlich von uns verpatzten Fußball-WM, kaum Notiz nahm. Oder nehmen konnte, weil sie schlecht oder nicht informiert waren. Oder offebar so ahnungslos wie der Verband, dem die drei griechischen Gold-Nixen über Nacht abhanden gekommen war, ohne auch nur ein Dankes-Sterbenswörtchen für 14 Jahre Bestversorgung zu verlieren. Auch das ist, was den Kreis zum Anfang schließt, mehr als nur rekordverdächtig.