Super! Tu Felix Austria bist noch im Damen-Achtelfinale der US-Open vertreten! So liest es sich bei den besten medialen Gutmenschen, wenn sie über Anastassija Potapova berichten, die die Tagger-Bezwingerin Amanda Anisimova in der 3. Runde eliminiert hat. Inwieweit die im Wimbledonfinale 2025 mit einem Doppel-Bagel abservierte Amanda mehr russisches als amerikanisches Blut besitzt, das weiß ich nicht, dafür aber, dass die Neo-Pass-Österreicherin Potapova jedenfalls aktuell mit Austria relativ wenig zu tun hat, weil sie weder hier wohnt wie ehedem mit dem geschiedenen Ehemann Shevchenko, nicht wirklich Deutsch spricht, bei keinem Klub spielt und nach dem Nationenwechsel auch kein Thema für den Billie-Jean-King-Cup ist, für den sie gesperrt wäre. Lasset uns trotzdem glücklich sein. Wären wir beschwingte Italiener, würden wir lauthals rufen: Forza Austria!
Das hingegen gilt für unsere Tennisherren, die am Wochenende nach den US-Open in New York wieder die Daviscuphelden gegen Ungarn und Japan hervorkehren wollen – diesmal auf einem eigens installierten Sandplatz auf der WAC-Anlage im Prater. Eine Neuauflage des legendären Duells anno 1990 gegen USA, das damals – Memento Mori – von Ronnie Leitgeb in einer für den Semifinal-Anlass umgebauten Sandplatz-Arena für 30.000 Fans trotz zwei Muster-Siegen (gegen Agassi und Chang) mit 2:3 verloren gegangen war. Auch deshalb, weil Horsti Skoff (+2008) kränkelte und schwächelte, ein Tominator im Doppel nicht reichte…

Jetzt gibt´s einen neuen Versuch unter völlig neuen Voraussetzungen, weil auch der Daviscup, genannt hässlichste Salatschüssel der Welt, nach einer (tödlichen?) Reform nicht mehr ist, was er einmal war mit 5-Satz-Thrillern der weltbesten Spieler, voller Emotionen und patriotischen, oft unfairen Begleiterscheinungen. Dennoch Sporttheater vom Feinsten, das Gänsehaut erzeugte.
Sand hin, Prater her, diesmal geht´s nicht gegen Amis, sondern die Belgier, diesmal gibt´s keine Austria-Musketiere, nicht einmal einen Top-100-Spieler, wobei unser bester, Jurij Rodionov, gerade einmal eine Runde in New York überstand. Da mit Ausnahme der drei Doppelspieler Miedler, Erler, Oberleitner alle ÖTV-„Kapazunder“ (Rodionov, Neumayer, Schwärzler) schon wieder daheim sind und sich auf dem sandigen WAC-Platz wohl früh einschlagen können, haben sie den Trumpf des Heimvorteils in der Hand – im Gegensatz zu den Belgiern, bei denen mit Alexander Blockx , der den Paris-Finalisten Cobolli eliminierte, ein Mann im US-Open-Achtelfinale steht, während Zouzou Bergs in der 3. Runde erst im 5. Satz scheiterte. Und mit Gille-Vliegen gibt’s noch ein Weltklassedoppel…
Jeder setzt halt andere Prioritäten. Wir bauen nicht auf Grand-Slam-Erfolge, nicht auf Hardcourt, sondern lieber auf Sandkastenspiele, mit denen wir besseren Laien vorgaukeln, im Siegesfalle gegen Flamen und Wallonen zu den Top-8-Nationen der Welt zu zählen. Ich meine, dass wir eher zu jenen Selbstzufriedenen gehören, die sich in den Sack lügen. Wie fast überall. Super, felix Austria.