Um ehrlich zu sein, bin ich kein großer Fan des deutschen Teamchefs Julian Nagelssmann, der allerdings beim 2:1-Sieg der lange Zeit von der Elfenbeinküste dominierten Multi-Kulti-Truppe Deutschkabds ein glückliches Händchen hatte. Nicht nur, dass der eingewechselte Deniz Undav den in der 96. und letzten Spielminute siegbringenden Doppelpack mit einem Solopagat nach Traumpass schnürte – mehr noch, Undav ist der Inbegriff eines Vorzeigeprodukts deutscher Zuwanderungspolotik. Er ist, um das andersrum zu sagen, dier KIdealfigur des Angie-Merkel-Sagers aus dem 2015er-Jahr: Wir schaffen das!

Jawoll, jawoll, wie die Nord-Deutschen sagen, dank Nagelsmann als weiser Handlanger im dumklen Trikot und Undav als bejubelter Vollstrecker hat es der der dreimalige Weltmeister geschafft, doch noch von der (Niederlagen-) Schaufel zu springen. Und ganz Dejutschlandm, vor allem den Medien von Bild- bis Welt- und FAZ am Sonntag Antwort auf eine deutsch-kurdisch-türkische Märchenstory zu servieren als teutonische Antwort auf amerikanische Tellerwäscherkarrieren. Ein Fressen für die Reporter aus aller Welt, nicHt nur der eingegrenzten deutschen.
Deniz Undav ist kein Zuwanderer, aber einer von zwei Buben kurdischer Einwanderer jesidischen Glaubens, einer montheistischen Religion von einer knappen Million an Glaubensgenoss(in)en, die immer wieder von Islamisten verfolgt wurden. An sich dürfen Jesiden mur Jesiden heiraten, weil es unter Ausschluss aus der Gemeinde verboten ist, zu konvertieren. Wie es dabei um seine Frau Tanja aus den Schwarzwald steht, entzieht sich eimer und allgemeiner Kenntnis. Möglich, dass er ihretwegen konvertiert ist. Sie ist jedenfalls abseits des eigenen Stammbaums seine wichtigste Bezugsperson, die aus einem (nach) lässigen Talent, das auch oft die Nacht zum Tage gemacht hatte, einen disziplinierten, erfolgreichen, torhungrigen Profi geformt hat. Kurdisches Blut zum einen, deutsche Tugenden andererseits. Eine prächtige Mischung, Aber gut Ding braucht bekanntlich auch seine Weile…
Wären seine Eltern nicht streng gewesen und hätten ihn, als er als emttäuschter Junger den Hut auf Klubfußball hatte werfen wollen, zum Weitermachen gezwungen, Deniz wäre eines von vielen verlorenen Talente geblieben. Zu klein und zu dick hatte ihn Werder Bremen einst taxiert, ehe sein Aufstieg beim SV Meppen begann, von wo es ihn nach Belgien zu Union St. Gillois zog, damals ein eher unbekannter Zweitdivisionär, dem er zum Aufstieg und dank Torjäger-Qualitäten fast zun Meistertitel verhalf. So wurde Brighton & Hove Albion auf ihn nicht nur aufmerksam, sondern kaufte Undav um 7 Millionen Euro.
Zu teuer für einen kaum eingesetzten Wechselspieler, so die Klubbosse, die ihn an Stuttgart verliehen, also fast in die Heimat seiner Tanja. Die Schwaben zogen die Kaufoption und landeten damit im wahrsten Sinn des Wortes einen Volltreffer mit Deniz, dem Torgaranten, der zwar körperlich nicht über 1,78 hinausgewachsen war, aber irgendwie an das – so der legendäre damalige Bayern-Trainer Tschik Cajkowski – „kleines, dickes Müller“ erinnert mit Reaktionsschnelligkeit und Torinstink. Er macht Tore, die andere nicht machen, weil er dort steht, wo ein Goalgetter stehen muss. Und am besten dann, wenn der Gegner schon weichgeklopft wurde oder aber sich wie die Ivorer die Seele aus dem Leib gerannt haben, ehe sie Deniz am falschen Fuß erwischte. In letzter Minute wie in längst verflossen geglaubten, alten Zeiten als Weltmeister oft kleiner Tore, die die Tür zu ganz Großem öffneten. Kommt´s auch jetzt dank dem torhungrigen Wechselspieler Undav auch in den USA, dem klassischsten aller Zuwandererländer, zu einer Renaissance dieser Qualitäten? Deutschland darf sich glücklich schätzen, dass sich der jesidische Kurde als Migrantenkind, ausgestattet mit zwei Pässen, für sein deutsches Geburtsland (Debüt im Team mit 27 Jahren) und gegen die Türkei ehtschied. Wer weiß, ob die Deutschen ohne ihn noch gewonnen hätten und andersrum, ob die Türkei mit ihm vielleicht nicht ausgeschieden und nict im Land der Tränen gelandet wäre. Jedenfalls hat er Nagelsmann, Zweitwohnsitz Fieberbrunn, und Deutschland gerettet. Geschafft ist geschafft. Undav über alles.