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Nachruf auf Gold-Rosi Mittermaier, die sich auch als Frau Neureuther stets treu geblieben war

Welch eine traurige Koinzidenz! Just nach den Tagen, an denen Garmisch oder eigentlich die Partnerstadt Partenkirchen zum Nabel der Schanzen- und Slalomwelt geworden war, platzte die für Außenstehende unerwartete Meldung: Rosi Mittermaier ist tot, mit nur 72 Jahren verstorben nach einer schweren, nie öffentlich plakatierten Krankheit! Mit Mittermaier, der Gold-Rosi, hat nicht nur ein ganz wichtiges Stück deutscher Skigeschichte diese Welt verlassen, sondern auch eine goldige Figur mit einem goldenen Herz am rechten Fleck, das nun viel zu früh zum Schlagen aufgehört hat.

Ja, die Gold-Rosi, die alte Annemarie-Rivalin, die die Moser-Pröll-Rennpause nützte, um bei den Winterspielen 1976 in Innsbruck die Schneelotterie- Generalprobe von Badgastein auf den Kopf zu stellen nach dem Motto: Die Letzten werden die Ersten sein! Nicht einmal, sondern summa summarum fünffach. Rosi, das Gastein-Schlusslicht, wurde Doppelolympiasiegerin (Abfahrt, Slalom) und gewann RTL-Silber, alles mal zwei, da Olympia damals auch als WM galt, gab´s auch Kombi-Gold für jene bayrische Skikanone, die auf der Winklmoos-Alm auf der Steinplatte einen Steinwurf zur österreichischen Grenze aufgewachsen war.

Rosi, die mittlere Hüttentochter aus einem Dreimädchenhaus, verleugnete nie ihre Almherkunft, erweiterte aber an der Seite ihres kongenialen, gymnasial ausgebildeten Ski-Gatten und Kitzbühel-Slalomsiegers Christian Neureuther ihren Hausverstand um einige Horizonte. Die Heiterkeit und den Humor, die sie verströmte, die sympathische Natürlichkeit, für die sie geliebt wurde, dieses einfache und doch herzliche Wesen, verankerten sie über die deutsche Heimat hinaus für immer als Gold-Rosi Mittermaier, obschon sie schon 50 Jahre lang Neureuther hieß. Ja, sie war in aller Bescheidenheit eine ganz tolle Skiläuferin, eine tolle Ehefrau und eine tolle Mutter für die Designer-Tochter und den Ski-Abiturienten Felix, der das Pech hatte, zu seiner Glanzzeit auf Kaliber wie Benny Raich, Mario Matt und vor allem Marcel Hirscher zu stoßen, der aber seinen Vater nicht nur als zweimaliger Kitz-Sieger, sondern auch als mehrfacher Medaillengewinner übertrumpfen sollte.

Jetzt trauert die Familie nicht nur um ihre Mutter, die in guten wie in schlechteren Zeiten stets o etwas wie ein natürlich-bayrischer Schutzmantel gewesen war. Vor ihr, ihren Leistungen vor und nach der Karriere, ihren Überzeugungen und ihrem nie aufdringlichen, eher zurückhaltenden, stets skandalfreien Wesen, geprägt von der Nachkriegszeit in den 50er- und 60er-Jahren, verneigt sich auch die globale Skiwelt. Als Gold-Rosi wird sie für immer in den Annalen verewigt bleiben. Umso mehr wird sie als liebenswerter Mensch vermisst!

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