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Olga Mikutina: Vorarlberger Eissternchen aus Charkiv auf dem Sprung nach Peking

Vor fünfzig und mehr Jahren hätte Österreich sogar Eiskunstläufer exportieren können, so breit war die Großmacht einst aufgestellt, so viele Topläufer(innen) mussten bei WM oder EM daheimbleiben, weil das Kontingent erschöpft war. Das war einmal, das kam nicht wieder, weshalb die zum Kunstlaufzwerg geschrumpfte Großmacht von vorvorgestern dazu überging, das Eis mit talentierten Importen zu brechen. Die großen Hoffnungen, die vor und nach der Jahrtausendwende in die Russin Julia Lautowa gesetzt worden waren, erfüllten sich sportlich mit Ausnahme von zwei achten EM-Plätzen so gut wie nicht.

Fast zwei Jahrzehnte danach schaut´s zumindest seit der WM 2021 in Stockholm anders aus. Diesmal ist´s ein Teenager aus der Ukraine, der wegen schlechter Trainingsbedingungen in der Heimat Charkiv nach Feldkirch in Vorarlberg vermittelt worden war. Inzwischen ist Olga Mikutina gerade 18 geworden, geht ganz normal ins Gymnasium, spricht wunderbar Deutsch, ist mehrfache österreichische Staatsmeisterin, hat den krankheitsbedingten EM-Flop 2020 in Graz mit einem sensationellen achten Platz bei der WM bewältigt und damit auch den olympischen Quotenplatz für Rotweißrot zurückerobert und einen zweiten WM-Startplatz erkämpft. Ein Vorschuss auf eine schöne Zukunft.


Eine neue, reale olympische Hoffnung also, die nach Jahren der Hoffnungslosigkeit das Eis brechen kann? Weil sie aber heuer in der Vorbereitung durch eine hartnäckige Knieverletzung behindert war, gibt sich der alemannisch-ukrainische Teenager eher vorsichtig. „Ich muss mich ja in Österreich erst qualifizieren, wer nach Peking fährt, das entscheidet unser Verband“, verweist Mikutina auf ihre wochenlangen Trainingsdefizite, auch wenn sie zuletzt im Countdown zum Saisonstart wieder auf die Sprünge kommen durfte. Trotzdem herrscht vor dem Wettkampfstart, der diese Woche in der Olympiastadt Sotschi erfolgt, eine gewisse Verunsicherung, wie gut sie schon wieder drauf oder andersrum: wie nahe sie dran ist an der Weltspitze.

Elena Romanowa hat aus Olga Mikutina die neue, große Eiskunstlaufhoffnung Österreichs geformt.

Der Rostelecom-Cup in der Olympiahalle am Schwarzen Meer ist nämlich absolut top besetzt, mit Elizaveta Tuktamyschina ist u. a., auch die Exwelt- und aktuelle Vizeweltmeisterin ebenso am Start wie die WM-Fünfte Hendrickx aus Belgien und andere Top-12-Läuferinnen. Dort soll und will sich Gymnasiastin Olga (“Ich bin, wenn´s erlaubt ist, fast immer im Schulunterricht!”) die Reife für die Meisterschaft in Graz holen, wo sie mit dem Titel auch den Quotenplatz gegen Sophia Schaller (Salzburg) verteidigt, die zuletzt – ebenfalls in Graz – den achten Platz bei der IceChallenge belegt und Fortschritte gemacht hat.

In Stockholm war Olga vom 11. Rang nach dem Kurzprogramm mit einer tollen Kür noch auf Platz 8 gesprungen – im wahrsten Sinn des Wortes. Auch jetzt hat sie, sozusagen international vorgegebene  Pflicht in der Kür, sieben verschiedene Dreifache in ihrem Programm. Normalerweise wär´s mittlerweile für sie ja kein Problem, angesichts der Zwangspausen aber steht hinter der üblichen Standfestigkeit noch ein kleines Fragezeichen. Sotschi soll zur Probe aufs Exempel werden, ob Olga unter ihrer Trainerin Elena Romanowa den Nachholbedarf schon gedeckt hat – und woran sie noch arbeiten muss, damit der wichtigste aller Sprünge gelingt, jener nach Peking zu ihren ersten olympischen Winterspielen. Wäre wünschenswert, weil sie sich inzwischen international und mit dem tollen Punkterekord an die 200 Zähler einen so guten Namen gemacht hat, den sich die Preisrichter sicher gemerkt haben. 

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