Welch ein Spektakel! 6:4 und erstes WM-Bronze nach 66er-Titel für die Briten und Trainer Tuchel, aber ohne Kapitän Kahn, der entkräftet geschont wurde gegen Frankreich. Ein Tor mehr als 1958 im Duell um Platz 3 in Schweden, als die diesmal besiegten Franzosen mit Kopa, Piantoni und Schützenkönig just Flntaine die Deutschen mit 6:3 aus den „Pock“ schossen. Im schwülheißen, schweißtreibenden Miami wurde uns ohne Druck, Stress, Härte und Taktik ein Deja-Vu-Erlebnis (für ältere Semester) vorexerziert unter dem Titel: Zurück in die Zukunft mit einem sentimentalen Ausflug in die Vergangenheit, als Fußball noch ein Spiel war und nicht das Trittbrett für taktische statt technischer Finesse.

Ja, was für ein Spiel, obschon es auch da um Millionen mehr oder weniger für beide Natianalteams ging! Betonung auf Spaß am Spiel, auf Freiräume statt Zwangsjacken, auf intuitive Dribbelkünste, kreative Sololäufe und satte Torschüsse statt unerbittlicher, von Härte bis an die Grenze der Rücksichtslosigkeit geprägter Zweikämpfe nach dem Motto: Wer steht, der liegt! Auch wenn man das wieder als Attacke gegen den deutschen ÖFB-Teamchef interpretieren mag – das übertriebene Spiel gegen den Ball wird immer mehr zum Gift für das Spiel mit dem Ball, das die jungen, viel zu früh viel zu taktisch geprägten, läuferisch allzu früh allzu übertrieben ausgebildeten Kicker immer weniger beherrschen. Mit ein Grund, warum die Ausnahmekönner vom Schlage der Messis, Ronaldos, Modric´s etc immer älter werden,ohne von gestern zu sein, und es immer weniger junge Unterschiedspieler a la Lamine Yamal gibt, an denen sich die Fans begeistern.
Aber so ist´s im modernen Fußball, der sich nicht an Gustostückerln sattsieht, sondern vom Ergebnis diktiert wird. Welch ein torreiches, auch von der Dramaturgie her tolles; bei der Euro wohl zu früh abgeschafftes Duell um Bronze, das nach dem Katastrophenstart (0:4 zur Halbzeit) der Franzosen trotz Niederlage nach toller Aufholjagd auch für den scheidenden Franzosen-Coach Didier Deschamps noch versöhnlich und mit Umarmungen endete.
Und am meisten profitierte der US-Fußball auch deshalb davon, weil es in welchem Bereich auch immer für die Amrikaner um möglichst hohe Scores geht wie etwa beim Basketball oder Football. Von Amokschützen im (Ab-) Normalleben an Schulen oder vor Kirchen oder Märkten will ich nicht reden, aber daran erinnern, dass der 2005 mit 60 zu früh verstorbene Texas-Cowboy, Superbowl-Sieger und Wembley-Toni Fritsch mir als US-Green-Card-Insider vor vielen vielen Jahren schilderte. Jener Fritsch, der zwar ein Dallas-Hero war, aber nicht einmal dann ins TV-Gespräch kam, wenn (nicht nur von uns) in seiner Wahlheimat Dallas ein WM-Match stattfand.