Wenn man in die Jahre gekommen ist, viel erlebt hat, darum nicht nur etwas mehr weiß als digital geübte Frischlinge meiner Branche, die lieber PR-Agenten und Pressechefs von Verbänden aus der Hand fressen, wird man schnell zur allzu kritischen Persona non grata. Ja, das hat sich hierzulande selbst im Sport so fest und dick eingenistet, dass vor allem Leute wie meine Person, die mehr olympische Rennen (seit 1972), WM´s (1. WM 1973, Belgrad), EM´s (seit 1970, Barcelona) auf Lang-wie Kurzbahn, Weltcups und Topmeetings verfolgt hat als die Führungskamarilla etwa des Schwimmverbandes zusammen, am liebsten ausgegrenzt und die Schwimmer: Innen zum Maulkkorb mir gegenüber verpflichtet bzw. gezwungen zu werden, sonst … eh schon wissen!
Das ist die natürliche Entwicklung, wenn dieses Land mit ihren Partei-Apparatschiks die unfähigsten Personen nicht nur in Führungspositionen hievt, sondern sie dort auch noch mit Ressortleitungen ausstattet, von denen sie noch weniger Ahnung haben als vom Schlosserleben und sonstigen Schlüssellöchern. Und weil dem so ist, wie es ist, umgeben sich eben diese Personen mit Handlangern und Einflüsterern, die noch weniger wissen als sie, sich aber devot und unterwürfig einschmeicheln. Wär´s anders, würden ganz andere Kaliber im heimischen Sport das Sagen haben und nicht pensionierte oder aber ausrangierte Politiker…
Da man mich als Doyen der Sportjournalisten nicht einlädt zu Pressekonferenzen sei nur angemerkt, tut mir aber alles andere denn weh, weil diese Form einer im ORF-Sport+ live vormittags übertragenen Präsentationen nach einstigem Ostblock-Vorbild sowieso für die Katz ist. Nichts hätte das besser dokumentieren können als die heutige Online-Krone, die lieber über einen bayrischen Extremschwimmer berichtet, der Österreich auf der Donau vom Passau bis Bratislava durchqueren will, statt über die Teilnehmer an der demnächst beginnenden Europameisterschaft auf den OlySmpia-Schauplätzen von Paris.

Ja, so kommt es, wenn man auf Quantität setzt statt auf Qualität, die sich beim Schwimmen sogar mit einer offiziellen Punktetabelle messen lässt, salopp insofern formuliert, dass erst bei 850 Punkten das beginnt, was man Klasse nennt. Was soll dann ein EM-Limit wie für den OSV-Vizepräsidentensohn aus Tirol, das nur 803 Punkte wert ist? Zum Ausscheiden in Vorläufen cerdammt!bWas sollen sich dabei (heimlich) jene Schwimmer:Innen denken, die eine Klasse besser sind, weil sie entweder mehr Talent mitringen oder aber härteres Training absolvieren wie zum Beispiel unter dem Ungarn Fehervari der dreifache Junioren-EM-Finalist und Doch-noch-Bronzegewinner Christian Giefing, der für meine Begriffe hätte bei der PK mit jenen Schwimmern in die Auslage gestellt werden müssen, die sonst nie präsent sind, weil sie in Amerika studieren und trainieren. Und auch im ORF-Teletext wurde der vier Zeilen kurze Kurzbericht auf den interimistischen Sportdirektor Jakub Maly aufgezogen, einen aus Prag gekommenen Ex-Schwimmer, der bei einem Camp in Fort Lauderdale einst, eingebuddelt von Kollegen im Sand, fast erstickt wäre. Und weder auf dieses verstaubte Drama noch Giefing, die US-Legionäre Mladenovic und Espernberger oder zwei, drei andere, die Medaillen gewonnen haben oder Zeiten wie Kraulsprinter Gigler schwimmen, von denen man früher nur träumen durfte.
Ich habe viele meiner Sportfreunde gefragt, was ihnen der Name Giefing, Mladenovic, Espernberger (Olympiasechster 200m Butterfly) sagt, aber mit Ausnahme des Olympiaschwimmers von Tokio 64, Dr. Volker Deckardt, war´s für die meisten wie – Bahnhof. Jawohl, wie nix verstehen, Bahnhof. Also muss man auch nicht fragen, ob eben die, die mit dem Namen nichts anfangen lonnten, beim Namen Giefing ein Gesicht vor Augen hatten wie früher bei einem Rogan oder Jukic-Geschwistern und Podoprigora. Nur das macht nämlich Sinn und bringt mit interessierten Sponsoren auch Geld in die eigene Kassa und, das sei betont, mit Popularität auch Unabhängigkeit.
Zurück bleit die Frage, ob das so gewünscht wird von einer Mainstream-Minderheiten-Nomenklatur, die mangels potenter Sponsoren zu so etwas wie Bittseller der mehr oder weniger eher unqualifizierten Polit-Bosse werden. Jnd da wir schon beim Wasser sind, so sei ans geflügelte Wort erinnert, dass der Fisch beim Kopf zu stinken beginnt… …