Die längste Zeit war gerätselt worden, jetzt ist’s Gewissheit. Nach den verpassten Grand-Slam-Turnieren in Paris und Wimbledon feiert der Spanier Carlos Alcaraz bei den US-Open als Titelverteidiger sein Comeback, während der Wimbledonsieger, Weltranglistenerste und Vorjahrsfinalist Jannik Sinner heute für New York schweren Herzens absagen musste. Nach einem Fitnesstest wurde ihm klar, „dass das Knie noch nicht so weit ist, dass ich auf höchstem Niveau mitspielen kann.“ Die bittere Paris-Niederlage gegen den schwächeren der Cerundolo-Brüder war ihm Lektion…

Wenn die zwei mit Abstand besten Tennisspieler schon in ihren frühen oder Mitte-20er-Jahren immer wieder mehr oder weniger lange Pausen einlegen müssen, weil ihre Körper, ob Arme, Rücken, Hüfte oder Beine nicht mehr mitspielen, dann müssten bei den ATP-, aber auch ITF-Granden die Alarmsirenen schrillen. Es ist nicht nur die zunehmende Wucht der Schläge, die ihre Spuren an Händen und Armen hinterlässt – auch die Hardcourts verschiedenster Prägung gehen buchstäblich unter die Haut, sprich: in die Gelenke, die überstrapaziert werden.
Da es aber um immer mehr Geld geht, werden körperliche Signale allenthalben immer wieder solange ignoriert, bis mit oder ohne operative Eingriffe dann lange Pausen drohen. Eben deshalb, weil es da wie dort auch um Existenzen geht, die auf dem Spiel (mit dem Risiko) stehen, müssen sich die Topfunktionäre eine Reform einfallen lassen, die die wachsende Verletzungsgefahr eindämmt.
Vor allem bei den Topleuten der Szene, die ihrer Dominanz wegen viel mehr Spiele in den Knochen haben als jene, die nach ein, zwei Runden absalutieren. Es geht also, um das überspitzt zu formulieren, um eine spezielle Form von „Artenschutz“, damit sich unsereins länger an der Hochklassigkeit dieser speziellen Spezies erfreuen kann.