Gretchenfrage eins: Wer aller hat das 1:1 von Rapid in der Conference-League im Privat-Fernseh-Sender Canal+ wirklich verfolgt? Und wie toll waren die Einschaltquoten?
Gretchenfrage zwei: Wer trägt die Schud daran, dass ein Europacupspiel von Rapid, dem trotz Misserfolgsserie immer noch heimischen Verein mit der weitaus größten Fan-Kolonie, in einem weiteren Pay-TV-Sender sozusagen exklusiv zu sehen ist?
Gretchenfrage drei: Wie kommen die Fans dazu, dass ihnen Geld aus der Tasche gezogen wird, das dann in grünweiße Kassen fließt?
Gretchenfrage vier: Wollte der ehemalige Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen ORF seinem Namen folgend dem harten Fan-Kern quasi nur den Spatz in der Hand gönnen und den enttäuschten Abertausenden an Anhängern des erfolglosen Rekordmeisters sowohl das Pay-TV-Eintrittsgeld als auch ein auf die Nerven gehendes weiteres „Unspiel“ einer bunt zusammengewürfelten Mannschaft ersparen?
Auf die nächste Frage gibt es nur diese Antwort: Da ein Unglück selten allein kommt, wurde nichts aus einem Rapid-Sieg, sondern ein mickriges 1:1 gegen die so gut wie unbekannte Mannschaft von Zrinjski Mostar – durch ein Eigentor des kurz davor eingewechselten Cvetkovic in Minute 94! Wo kein Glück, dort schleicht sich Pech noch dazu ein. Warum nur, warum?
Fragen über Fragen, mit denen die völlig überforderte, rücktrittsreife Führung der Hütteldorfer da konfrontiert ist vom Präsidenten, der lieber Boss der Salzburger Festspiele mit der Zauberflöte geworden wäre, über den aus interessanten privaten Gründen, in Europa kaum vernetzten, aber fest im Sattel sitzenden Sportdirektor, den vom deutschen Zweitdivisionär (unter Schachner) 1860 München entsorgten, nicht mehr ganz so rundköpfigen Fußball-(Halb)-Gott Hofmann bis zum Notnagel-Trainer, der vordem Assistenz-Trainer beim Zweit- bis Drittligisten Sandhausen war, wo er auch als Rapid-Flüchtling gegen besseres Entgelt als Legionär gespielt hat, nichtsdestotrotz als eine Rapid-Legende für den Fan-Nachwuchs verkauft wird.
Mit einem Wort, bei den von Wiens knallroter, orange verbrämter Energie gewissermaßen ferngewärmten Hütteldorfern passiert seit geraumer Zeit, als wär´s aus höherer Warte diktiert, die gleiche Vorgangsweise wie in der Innen- und Außenpolitik – samt willfährigen Medien eine ziemlich teure Vorspiegelung falscher Tatsachen. Und die haben fatale sportliche Folgen für einen Klub, der echte Legenden produziert hat von Zeman, Happel und Hanappi bis Hasil und Krankl, oder wenn nötig und möglich, auch Topleute us dem Ausland geholt hat wie Panenka, Brucic, Kranjcar bis Iwanow und Savicevic, um die Muskeln spielen zu lassen mit Titeln und Europacup-Endspielen.
Keine Frage, dass Rapid eine Top-Marke war in Europas Fußball seit einem 6:1 als die besseren Gunners gegen Arsenal, einem glücklosen 3:1 in Wien, aber Jahre später umso glücklicheren 1:2 im Bernabeu-Stadion zu Madrid gegen Real unter Interimstrainer Decker, der davor schon mit dem Nationteam wahre Wunderdinge vollbracht hatte, aber schon damals sein blaues oder rotes (ÖFB-)Wunder erlebte, als man als Nr. 1 in Europa auf die WM im fernen Chile verzichtet hatte. Wie gesagt, eine gleichsam höhere Warte oder mächtigere Instanz hat schon immer, aber nicht immer zum Vorteil des Sports im Allgemeinen und des Fußballs im Besonderen diktiert, was geschieht – wobei nicht immer, aber dafür immer öfter der englische Spruch regiert, der da heißt: The blind leading the blind – die Blinden führen die Blinden. Zumindest oder vor allem im Fußball.
Dem Rapid-Sportdirektor von präsidialen Gnaden sei ins Stammbuch geschrieben, sich das TV-Interview mit der deutschen Legende Sammer (die aus der DDR stammt) anzuhören und anzuschauen. Dann würde er hören und wissen, dass man nicht einen oder zwei, sondern alle fünf Finger einer Hand braucht, um ein richtiger Sportdirektor zu werden und zu sein. Alles andere ist für die Katz und zurück bleibt ein Spatz, der auf vernünftige Ratgeber pfeift..
