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Stell dir vor, es gibt eine Schwimm-WM mit Chancen und kaum jemand kriegt´s mit…

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. Das ist ein altes deutsches Spruchwort. Der österreichische Schwimmverband hat´s geschafft, dieses Zitat auf den Kopf zu stellen. Da bis Montag auf den Sportseiten der größten und wichtigsten überregionalen Printmedien (und in ORF-Teletex nur etwas in Kürze) kein Hinweis auf die Kurzbahn-WM in Australien zu finden war, die des Zeitunterschieds wegen schon in einigen Stunden beginnt, lautet der Umkehrschluss: Nichts ist so alt wie eine Vorschau von morgen!

Und das, obschon es auch in Abwesenheit von Felix Auböck, Titelverteidiger über 400m Kraul, der sich lieber auf die Langbahn-WM 2023 in Fukuoka konzentriert, einige Finalkandidaten gibt wie den Wahllinzer aus Innsbruck, Simon Bucher. Oder den anderen Tirol-Auswanderer nach Linz, Bernhard Reitshammer, der schon WM-Vierter (Langbahn, 50m Brust) war. Oder die Grazer Polizistin Caroline Pilhatsch, die ja 2018 schon einmal Vizeweltmeisterin über (die nichtolympischen) 50m-Rücken gewesen ist. Schade nur, dass neben Auböck auch ein Brustschwimmer der Lagen-Bronze-staffel fehlt.

Jedenfalls aus Sicht eines altgedienten Medienprofis ein echtes Musterbeispiel, wie man abseits von lokaler Berichterstattung sein Licht unter den Scheffel stellt. Vielleicht auch in allzu bescheidener, allerdings Selbsterkenntnis, dass es sowieso verlorene Liebesmühe wäre, weil ja eh alles von der Fußball-WM und von den Schattenseiten des omnipräsenten Skisports überstrahlt wird, oder? Ich meine, da hätte man doppelt so laut schrei(b)en müssen: Halt, wir sind auch noch mit Weltklasse da!

Aber vielleicht denken sich einige der (Mit)Verantwortlichen, dass es ja genügen würde, das eigene Schwimmklientel via Homepage des Verbandes zu informieren oder zu bedienen, weil man ja beim sportlichen Fußvolk ohnehin auf Desinteresse stoßen würde in den „Stoßzeiten“ der populäreren Volkssportarten? Anderen sogenanntem Randsportler allerdings gelingt es immer wieder und nicht erst bei güldenen Vollzugsmeldungen sich Gehör und Schrift, Bild, Wort und Ton zu verschaffen wie Hockeyspielern, Eishockey-Legionären, Football-Pionieren, Darts-Werfern oder sonstigen Außenseitern, ganz zu schweigen von den Leichtathleten, die eine sehr effiziente Lobby mit internationalen Verbindungen besitzen.

Ich meine, dass es sich die Schwimmsportler-Innen verdient hätten, dass man ihnen ad Personam so viel Aufmerksamkeit widmet wie ihrem Präsidenten, von dem voller Stolz berichtet wurde, dass er kürzlich zu einem von fünf oder sechs Vizepräsidenten des Europaverbandes (LEN/Ligue Europeenne de Natation) gewählt wurde. Da ja diese Wahl als Anerkennung für den tollen Weg der (mehrheitlich Auslands- oder Import)-Österreicher-Innen gewertet wurde, so bin ich schon sehr gespannt, wie hoch die Wellen hierzulande sind, die diese Auszeichnung schlägt.

Wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn die hochrangigen Entscheidungsträger im heimischen Sport aus Respekt vor einem hochrangigen Europa-Vize bei seinen Forderungen nach Förderungen oder gar eines seit Jahren nicht einmal konzipierten 50m-Hallenpools westlich von Salzburg und auch im Süden Österreichs einen Kniefall machen würden. Allein, mir fehlt der Glaube, mit oder ohne Botschaften, die seit Jahren ohne Echo verkündet werden oder wurden!

Ob Schweigen statt Schreiben, Maulkörbe statt Interviews in Zeiten des Wettlaufs um gute Sendezeiten und potente Sponsoren besonders wertvoll und nützlich sind, sei in den Raum gestellt. Jetzt liegt´s jedenfalls an den WM-Schwimmer-innen, ihres eigenen Glückes Schmied (innen, weil der OSV großen Wert aufs Gendern legt) zu sein, um Werbung in eigener Sache zu betreiben.

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