
Nicht, dass man Moser-Pröll falsch versteht, sie gehört nämlich zu den echten, ehrlichen Fans ihrer US-Nachfolgerin, die nicht nur 110 Rennen gewonnen, sondern ihren Rekord, den sie 1979 nach der siegreichen Olympia-Generalprobe von Lake Placid in Naeba in Japan fixiert hatte, heute mit der sechsten Kristallkugel eingestellt hat. Nicht auf Teufel komm raus, sondern mit taktischem Kalkül und Gefühl, wie man mt Hirn und Herz eine solche nervenaufreibende Herausforderung meisterhaft bewältigt. Nicht siegen oder fliegen, sondern so schnell fahren, wie es das Rechenexempel verlangt.
Das, werte Blog-Leser, ist in welchem Sport immer die große Kunst der Champions, dass sie in Vorkämpfen nur das Nötigste tun, um sich zu qualifizieren, wenn es aber um Alles oder Nichts geht, dann den Overdrive einzuschalten. Das können halt nur die Allerbesten. Das ist der einzige Vergleich, der legitim ist zwischen den 1970er-Jahren und der Gegenwart, in der andere in jeder Hinsicht unvergleichliche Material- wie materielle Bedingungen herrschen.
Und eine dieseer, wenn nicht in ihrer Domäne beste Sportlerin, ist Mikaela Shiffrin, die mit ihren 31 Jahren der bulligen, 10 Jahre älteren Lindsey Vonn nicht nur 28 Weltcuosiege und zwei Olympiasiege voraus hat, sondern rundum weit stiller statt schriller, weit demütiger als lautlärmend wirkt samt ihrem Herzblatt aus Norwegen mit Winterdomizil Innsbruck, Alexander Aamodt Kilde. Bei beiden wirkt alles solide und nicht aufgeblasen bis aufgepäppelt von einer PR-Schiene, sondern untergeordnet dem Skisport und dem Ehrgeiz und Antrieb, möglichst oft und viel zu gewinnen. Einst hatten wir die Annemarie, später die Golden Girls, die Lizz und die Anna – jetzt waren und sind es auch Österreicher, die entscheidend mitgeholfen haben, dass Mikaela Shiffrin zu Moser-Pröll aufschließen konnte. Ob die Atomic-Hubers in den Anfängen, ob Trainer Hödlmoser, ob Manager Kilian Albrecht, als Ex-Slalomstar eine Konstante wie der Kopfsponsor Barilla, den sie nie in ihrer Topkarriere gewechselt hat.
Für mich, auch senn sie nach der Killington-Verletzung den früher mehrmas erfolgreichen Speedbereich auf ein Minimum eingeschränkt hat, ist Shiffrin nicht nur als Rekordlerin ein Vorbild wie aus dem Bilderbuch. Auch wenn ich die unglaubliche Vielseitigkeit der schwedischen Deutschen Emma Aicher auf höchstem, auch siegreichem Niveau bewundere – was mir bei der noch jungen Läuferin aus dem Hohen Norden, die via Engelberg und Schweiz die deutschen Skiherzen höher schlagen lässt, das wäre mehr Ausssagekraft in den meist einsilbigen bis nichtsssagenden Interviews. Dabei wär´s doch interesssant, wie es dieses Wunderkind schafft, nicht nur bis auf ein Rennen in allen Disziplinen zhu starten, sondern um Siege und Podestplätze mitzuplaudern.
Was die kann, das konnte ünrigens auch Shiffrin, ehe das Malheur beim Heimrennen geschah. Gretchenfrage: Warum sollen das nicht auch andere unverbrauchte Teenager/Jungtwens können, auch und vor allem jene aus der einstigen, inzwischen ziemlich geschrumpften Großmacht Österreich? Auch die einzigartige Annemarie war einst so ein Kaliber gewesen, das alles gewann, was man gewinnen konnte, was sie heute mit 73 nicht mehr kratzt!