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USA ballt Diplomaten-Faust gegen Peking-Olympia: Pelz waschen, nicht nass machen

epa09218557 White House press secretary Jen Psaki speaks during a news conference in the James S. Brady Press Briefing Room at the White House in Washington, DC, USA, on 21 May 2021. EPA/ERIN SCOTT / POOL

Die Weltnachrichten wurden nicht müde, mit einem leisen, drohenden Unterton zu berichten, dass die USA die Olympischen Winterspiele in Peking boykottieren würden. Nein, nein, nicht sportlich, also so wie ehedem 1980, als keine SportlerInnen nach Moskau geschickt worden waren. Joe Biden, der manchmal schläfrige Präsident, hat stattdessen zwar nicht höchstpersönlich, aber durch seine Pressesekretärin Jen Psaki verkünden lassen, dass weder er noch ein Minister, Botschafter, Gesandter oder wer immer nach Peking fliegen oder kommen und damit dem chinesischen Präsidenten, dem politischen Gegner und Gottseibeiuns Xi mit seinen Bonzen-Schergen die Ehre erweisen und deren Menschenrechtsverletzungen akzeptieren würden. So was käme nie in Frage. Nein, nein, nie und nimmer, das wäre ja fast wie ein Kniefall, oder?

Da sei in Brecht´scher Umdrehung der gute amerikanische Mensch dem verachtenswerten, schlechten von Shezuan unbedingt vor! Und wie gut die Guten sind, das lässt sich ja daran ablesen, dass die USA ihre medaillenträchtigen Alpinen, Freestyler, Eiskunst- und Eisschnelllaufqueens oder – Schlittschuhkönige natürlich nicht bestrafen wollen und – anders als 1980, als man sich selbst ins Knie schoss! – starten und wenn geht, möglichst viel gewinnen lassen, am liebsten so viel, dass sie den Chinesen einiges vom Medaillenkuchen nehmen. Ja, so schaut es aus, wenn man als vermeintlich Mächtigster aller Großmächte die Faust ballt, die an sich ja ansonsten stets den Kummerln in aller Welt mit links vorbehalten war oder immer noch ist.

Weltmeisterin Nathan  Chen und die neue Speed-Queen Breezy Johnson dürfen trotz Peking  ihren olympischen Goldtraum leben,

Ja, werte Blog-LeserInnen, man hat uns via Television wieder einmal deutlich vor Augen geführt, dass Sport(lerInnen) und Politik(erInnen) nichts miteinander zu tun haben, nicht wahr. Ganz zu schweigen davon, dass Olympische Spiele, ob Winter, ob Sommer, womöglich zum Spielball der Weltmächte werden könnten. Aber wer weiß, was beim Video-Gipfel zwischen Joe Biden einerseits und dem russischen Präsidenten Putin andererseits herauskommt, dem anderen bösen Buben, dem man ja schon bei Olympia, Weltmeisterschaften, Weltorganisationen einen größeren oder kleineren Doping-Riegel vorgeschoben hat. Übrigens ungeniert ganz so, als hätte es auf dem privaten US-Sport-Sektor nie und nimmer eine „Balco-Affäre“ gegeben, in die die Besten der Besten, WeltrekordlerInnen, OlympiasiegerInnen etc. involviert waren. Längst nicht mehr der Rede wert. Quantite´ negligable. 

In diesem Sinne werden in erster Linie nämlich vor allem jene Russen/Innen nicht ausgesperrt oder ausgeschlossen, die braver Weise nicht in Russland domiziliert sind, gell. So ist´s, wenn man einerseits den Sport und die SportlerInnen auseinanderdividiert, andererseits mit diplomatischen Sanktionen droht, die man am besten unter der Rubrik einordnet: Wasch mir den Pelz und m ach mich nicht nass! Ich finde, dass es so gut wie niemanden außer manch Politiker/Diplomaten stört, wenn der eine oder andere Präsident, Vize oder sonstige Exzellenz, ob Queen oder König bei der Eröffnungszeremonie oder Schlussfeier auf der Tribüne sitzt. Darüber, glauben Sie mir, lachen sogar die Hühner, weil ihnen der Herd erspart bleibt.

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