Die USA sind heute nächtens mit 4:1 über Paraguay, immerhin punktegleich mit Brasilien und Uruguay in der WM-Qualifikation drübergefahren, womit sie im eigenen Land eine Euphorie ausgelöst haben. Es ist, soweit ich mich erinnern kann, erst der zweite WM-Sieg der Amerikaner nach dem Sensationserfolg gegen England anno 1950, als sie den Lehrmeister eliminierten. Aber danach war wieder Ebbe.
In diesem Zusammenhang blättere ich zurück ins Jahr 1977, als ich auf dem Weg zum Long-Beach-Grand-Prix einen längeren Zwischenstopp in New York eingelegt und dort Kaiser Franz Beckenbauer als neuen NY-Cosmos-Star in seinem Interimsquartier, dem Regency-Hotel, damals ganz in deutschsprachiger Hand mit Generalmanager Udo Schlentrich und, lachen Sie bitte nicht, einem Esterhazy-Grafen als Nachtportier, mäher kennengelernt hatte. Beckenbauer, der damals als Soccer-Ikone quasi den Staffelstab vom noch größeren König Pele übernommen hatte, sagte voraus, die USA würden binnen zwei Jahrzehnten zu einer Soccer-Macht werden, das Potenzial vor allem an den Highschools und Colleges wäre enorm, auch der Millionen an Zuwanderern aus klassischen Fußballländern wegen.
Die Rechnung ging nicht ganz auf, obwohl die USA aus eigener Kraft oder als Veranstalter von 1990 bis 1998 dreimal in der Endrunden standen, aber immer in der Vorrunde scheiterten, auch an den ebenfalls ausgeschiedenen Österreichern (1990, 1:2). Und im eigenen Land trotz des 2:1-Sensationssieges gegen den Geheimtipp Kolumbien, dessen Eigentorschütze nach dem Aus erschossen wurde. Nicht zu vergessen, dass die USA dann 1998 in Frankreich als Politfeind wie heute gegen den Iran spielte – und mit 1:2 verlor.

All the way USA – mit Verspätumg scheint sich des Kaisers Vorhersage doch noch zu erfüllen.
Inzwischen gehen die Uhren zwar nicht politisch, aber punkto Fußball anders. Frühere Bundeslig:stars wie Ali Dei, heute Regime-Kritiker, haben die persischen Fußballkrieger nicht mehr, die USA hingegen einige hochkarätige Legionäre wie etwa Pulisic, gehärtet in Deutschland und England, dazu auch Trainer, die aus Stahlbädern kommen wie den aktuellen Teamchef Pocchetino, und Starlets, die sich in der Major League Soccer ihre ersten Sporen verdienen.
Immerhin hat Kaiser Franz noch erlebt, wie die Amerikaner vor 24 Jahren fast seine Deutschen wohl eliminiert hätten, wäre der Elfer für dievUSA wegen Hands auf der Torlinie gepfiffen worden. Ja, wenn es damalsvschon fen VAR gegeben hätte. Es wäre höchstwahrscheinlich schon der Katalysator gewesen für einen Soccer-Boom auch der Männer, denn die längste Zeit hatten ja die US-Frauen die (neist allzu langen) Hosen an..
Noch ist nicht aller Tage Abend, aber mit dem Schützenfest gegen Paraguay eine Jubel- und Hochstimmung erzeugt, mit der unser Fußball, drüben Soccer genannt, dem (American) Football, der außer Freekicks a la unvergessenem Fritsch Toni nur mit Händen gespielt und von patriotischen Networks auch auf Händen getragen wird. Es hat mehr als doppelt so lang gedauert, als es der Kaiser gedacht hat, aber jetzt dürften die USA dort angekommen sein, wo sie nicht nur als Hauptveranstalter hinwollten. Und es der Kaiser prognostizierte, ohne es erleben zu dürfen. All the way, USA, USA, USA. The Donald Trump wird begeistert sein.