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Vom Goldkind Shiffrin und dem Sprichwort, dass in die Grube fällt, wer sie anderen gräbt

Post festum muss ich lachen, mit welchen Tönen die ORF-Kommentatoren – natürlich nicht die hervorragende Insiderin Marlies Raich, die das gottlob relativiert hatte – vor dem Damenslalom den olympischen  Fluch fast schon beschworen, der die Kombi-Verliererin Mikaela Shiffrin wie im medaillenlosen Peking einholen würde. Erst recht deshalb, weil ja der ÖSV-Trainer auf dem flachen, kaum olympiawürdigen Hang eine tückische Kombination gesetzt hatte quasi als fatale Fußangel für die US-Amerikanerin, ihres Zeichens erfolgreichste Skirennläuferin aller Zeiten, die immerhin schon zweimal Olympia-Gold, acht WM-Goldene und so nebenbei 108 Weltcuprennen gewonnen hatte.

Der vermeintliche Schuss ins amerikansche Knie-Genie, von dem man natürlich insgeheim hoffte, unser Top-Duo mit Truppe und Gold-Huber würde davon profitieren, ging blöderweise nach hinten los. Wo Shiffrin  beschleunigte, dort bremsten sich unsere Hoffnungen schon zur Halbzeit so ein, dass am  Ende des Tages und der alpinen Olympiabewerbe nur die Plätze 5 und 6 herausschauten. Sie mögen mich darob verteufeln, was mich aber nicht daran hindert, ein geflügeltes Wort zu zitieren, das da lautet: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Und so war´s leider auch, da kann man alles noch so schönreden mit einer Medaillenflut, zu der die Alpinen relativ wenig beigetragen haben.  

Zuletzt lachte sich die fast totgesagte Shiffrin ins Fäustchen, weil sie in ihrer Revanchelust und ungestilltem Siegeshunger mit vollem Risiko und totalem Angriff nicht nur die rotweißrote Gegnerschaft mit einem Vorsprung von eineinhalb Sekunden in Grund und Boden gefahren, sondern schon im ersten Lauf trotz einer hgan zu kurzen Schrecksekunde in eben dieser tricky Kombination den schnellsten Weg gefunden hatte. Zurück blieben Statisten, die entweder fast kabarettistische Ausfälle  bauten wie die Halbzeitzweite Lena Dürr oder halt als gute Mitläuferinen endeten wie die heuer konstante Truppe und die schon mit Kombi-Team-Gold dekorierte Huber.

Mit diesem Alpinfinale endete übrigens die stolze Olympia-Serie der ÖSV-Damen, die seit der Salt-Lake-City-Totalpleite 2002 bei allen Winterspielen eine Slalom-Medaille gewonnen hatten –  von den aktuellen TV-Expertinnen Hosp und Schild-Raich über Kathi Zéttel bis zu Gallhuber und der verletzten Liensberger, die Zweite in Peking und danach Weltmeisterin geworden war. Wie rosig die Zukunft auch einer Mittzwanzigerin wie Lisa Hörhager ist, die es  nicht einmal ins Top-30-Finale geschafft hatte, lässt sich angesichts einer ihrer kolportierten Aussagen schwer taxieren, Sie wäre froh, so las ich es, dass sie heimfahren kann. Quintessenz: Es wird Zeit für Klartext statt Schönfärberei, die sich auch deshalb eingebürgert hat, weil es TV-Verträge gibt. Und kritische Stimmen weniger gefragt sind. 

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