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Von Bullen-Euphorie, Zentimeter- und Bauch-Entscheidungen

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Lok durfte in Moskau zwar Anhänger haben, aber gegen Salzburger Bullen, die richtig Dampf machten, war der Ofen im Eiskasten des Stadions bald aus. Wirklich fabelhaft, wie Salzburg mit dem kraftvollen, aber auch kräfteraubenden Spiel gegen den Ball ebenso wie mit pfeilschnellen jungen, technisch versierten Jung-Bullen den Russen beim 3:1 eine wahre Lektion in modernem Fußball erteilte, ja am Ende noch höher hätte gewinnen können, nein: müssen.

Aber halt! Trotz dieser Klasseleistung waren es, so über-kritisch bis nörglerisch es auch klingen mag, zwei Schlüsselszenen mit Zentimeterentscheidungen, die da die Tür gerade noch zuschlugen, dort aber das Tor zum klaren Sieg öffneten. Ja, was wäre gewesen, hätte nicht der sonst so offensive, diesmal als Regisseur eher wirkungslose Dominik Szoboszlai für Stankovic einmal gerade auf der Linie gerettet, für jenen Tormann, der sich zudem Sekunden später mit einer verpatzten und dann doch noch reaktionsschnell korrigierten Abwehr eines Weitschusses als latenter Unsicherheitsfaktor bestätigte.

Und was wäre gewesen, hätte der Türken-Schiedsrichter nach Video-Studium das Tor zum 1:0 wegen Abseits so aberkannt wie zuvor schon, als er die vermeintliche Führung nach Musterkombination annulliert hatte? Wie die TV-Aufnahmen zeigte, war (der spätere Doppelpack-)Schütze Berisha gerade noch auf gleicher Höhe mit einem Lok-Moskau-Verteidiger gestanden. Fakt ist: Ein Hauch weiter vorn und es wäre wieder nichts Zählbares gewesen.

Ja, so eng geht´s heutzutage im Fußball auf höchster Ebene zu. In diesem Fall war das Glück halt endlich einmal ein Vogerl, das sich bei den Bullen einnistete statt davonzufliegen wie noch vor einer Woche beim glücklosen, fast schon unverdienten 1:3 in München gegen den Branchen- und Gruppen-Primus FC Bayern.

Und wenn sich das Glück noch auf Seite der Tüchtigen schlägt, dann greifen eben diese Bayern ihren Salzburger Fußball-Nachbarn zusätzlich ein bisserl unter die Arme – dann aber nicht mit einer Zentimeter-, dafür aber einer Blitz- und Bauch-Entscheidung des Instinkt-Trainers Flick! Als der gute Hansi nämlich spürte, dass seine verjüngte, bessere B-Truppe der A-Elf von Atletico in Madrid wohl kaum mehr am Zeug flicken würde, wechselte er bei 0:1 unter anderen noch schnell jenen Tausendsassa Thomas Müller ein, der kurz vor Schluss erst den Elfer herausholte, den er denn selbst zum 1:1 Ausgleich verwandelte. Und damit – es lebe Hansi Flicks untrügliches Bauchgefühl – den Salzburgern das Tor zum Grande Finale gegen Atletico in quasi in vorletzter Minute aufzusperren.

Und damit den jungen, wilden Toros doch noch die Chance zu eröffnen, die Toreros und Pikadores auf die Hörner zu nehmen, um noch ein bisserl näher an den immer fetteren Champions-League-Futtertrog zu kommen. Immer vorausgesetzt, die Salzburger können in einer Woche dort anknüpfen, wo und wie sie in Moskau die Lok zum Stillstand gebracht haben. Binnen Sekunden und auch Zentimetern, die über Wohl und Wehe zumindest mitentschieden haben. Auch daran sei bei aller berechtigten Euphorie um teils groß aufspielende rote Bullen erinnert.

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