Metzger.Live

Von Starlets, die nur Mode machen, und Evergreens, die Medaillen sammelnxx

Ich weiß nicht, wie viele meiner Blog-Leser am Montagabend die Servus-TV-Sendung Sport und Talk aus dem Hangar gesehen haben, in der nach langer, langer Zeit auch wieder einmal Thomas Muster mit seinem Mentor Herwig Straka, dem Turnierdirektor in Wien, zu sehen und zu hören war. Eines aber weiß ich, dass kein Sportler auch nur einen Hauch besser wird,  wenn man ihm ein modisches Label als bulliges Mäntelchen umhängt, mit dem er sich bei einer Modenschau präsentiert. Genau das aber wurde mit dem Beitrag über Joel Josef Schwärzler getan, jener einstigen Nummer 1 bei den Tennisjunioren, der als 20-jähriger bisher mehr Trainer verbraucht als große Sprünge im Ranking gemacht, nur drittklassige, schwach besetzte Challenger in der Qualifikations-Woche vor Grand-Slams gewonnen und zugegeben hat, kein Trainingstiger zu sein. Die Kritik an den Vorarlberger Twen, der als  Nummer 175 in seiner (Unter) Entwicklung weit hinter den hiochgesteckten Erwartungen ebenso wie gleichaltrigen Talenten hinterherhinkt, verpackte der erste heimische Grand-Slam-Sieger, der zweimal Nummer 1 wurde, in sarkastischen Humor: „Gut gekleidet ist er schon!“ Allerdings machen Kleider im Gegensatz zur Literatur im Tennis noch lange keine Leute. Nachsatz Musters: „Schön wär´s, würde er in Wien die Qualifikation schaffen!“ Im Tennis-Outfit ganz ohne Alpha Tauri, damit die Bullen-Mutter sportlich auf ihre Rechnung kommt.

Szenenwechsel vom Tennis und dem bestbesetzten Wien-Turnier, das es je gab, nach China in den ehemaligen Segel-Olympiaschauplatz Qiangdo, wo in der neuen Olympiadisziplin „Beach-Sprint“ entlang der Meeresküste auch gegen mehr oder weniger hohe Wellen um Medaillen gerudert wird – in Zeitläufen und K.o.-Duellen. Und ebendort hat der Kärntner Evergreen Magdalena Lobnig, Olympiadritte von Tokio, nach heurigem Langstrecken-EM-Gold in Spanien jetzt WM-Bronze geholt. Und das, obwohl ihr ein Fehler im Semifinale den Endlauf gekostet hatte. Im Rennen um  Bronze riss sie sich wieder so am Riemen, dass sie sich und ihrer Bilanz treu blieb, die lautet: Kein Titelrennen im Küstenrudern ohne Medaille. Ein Prinzip, das sie übrigens mit Judoka Michaela Polleres zu teilen scheint, die zweimalige Olympiadritte, deren WM-Silber 2026 bei Wahlablauf  zur Spoirtkerinnenwahl mehr gewertet woerden konnte.

Auch wenn es der Nomenklatur meiner Branche nicht genehm ist, so bleibe ich der Meinung, dass man Sportler: Innen eines Jahres nicht drei Monate vor Jahresende wählen darf – und in Abstimmung mit allen Verbänden ein vernünftiges Datum und ein würdiger Veranstaltungsrahmen rund um den Jahreswechsel gesucht wird, damit auch alle, die es verdienen, zur Wahl und Diskussion stehen. Und wenn manch umstrittene Spielart wie Billard seit Jahren mit identischen Protagonist: Innen dabei ist, dann sollte man auch nicht auf klassische olympische Disziplinen wie das schwierige Bogenschießen (Nico Wiener, Sieger Weltcupfinale, Indoor-Weltmeister) oder Jungstars auf dem Eis (Rosner, Farthofer) in den Kandidatenlisten vergessen. Abgesehen davon, dass Erfolgsgaranten wie Lobnig und Polleres, Bogenschützen oder Kufenflitzer von Modenschauen und Laufstegen nur träumen können. 

Die mobile Version verlassen