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Wahres Potenzial und Gerede von Qualität, die nicht auf den Platz gebracht wird

Ein echter und ein verpasster Sieg, eine späte knappe und eine klare knappe Niederlage – nach dem Nationalteam ist auch der heimische Klubfußball auf verschiedenen Ebenen des Europacups in der Realität angekommen. Kam das 1:1 der trotzdem imponierenden Salzburger beim Europa-League-Seriensieger Sevilla unter bekannten Umständen einer gefühlten Niederlage gleich, so ist schwer zu sagen, ob das 2:0 des LASK unter interimistischer Führung in Helsinki gegen Finnen tatsächlich die Trendwende bedeutet. Umso ernüchternder hingegen das 0:1 der Rapidler gegen den belgischen Provinz- und Kleinstadtklub Genk, der in einem Duell auf bescheidenem Niveau schlussendlich das Glück des etwas Tüchtigeren auf seiner Seite hatte, alles andere wäre ein Beschönigen, das keinem hilft.

Auch wenn´s mit dem 0:1 vom Resultat her höchst passabel scheint, so war Sturm Graz in Monte Carlo gegen den krisengebeutelten AS Monaco nicht zum Anschauen. Hinten reinstellen, ohne überhaupt ans vorn zu denken, auf Abschlussschwäche und Schussuntüchtigkeit der fürstlich entlohnte, aber formschwachen Fußball-Monegassen zu warten, also so etwas wie ausgeprägte Angst der Mutlosen vor der eigenen Blamage, das erinnerte schon einen spielerischen Offenbarungseid.

Nur Lask durfte über einen Sieg jubeln, während Rapid ein Unentschieden verpasste und Sturm in Monaco ein Debakel vermied.

Der eine oder andere nicht nur eingefleischte Fan mag sich jetzt denken oder sagen: Aber wartet´s nur, wenn wir daheim spielen, noch dazu vor vollen Rängen und nicht mehr leeren Kulissen, dann… Ja, was dann? Glauben Sie mir, werte Blog-Leser, die Prämissen und Parameter von Gestern und Vorgestern haben sich mit dem heutigen Fußball verschoben – oder gelten nur noch in seltensten Fällen und vor allem dort und dann, wo und wann die Klassen-Leistungsunterschiede halt besonders eklatant sind.

Traf früher einmal die Regel meistens zu, dass Angriff die beste Verteidigung ist, so hat sich das mit dem Modewort „Umschaltspiel“ um 180 Grad gedreht. Beim Tempofußball von heute sind oder können Fehler in der Vorwärtsbewegung Gift und mitunter also „tödlich“ sein, was das Resultat betrifft. Das erlebt man immer wieder. Und das traf letztlich auch auf die Rapidler zu, die in der Nachspielzeit auf eine Entscheidung drängen wollten und sich dafür das Gegentor einhandelten.

Zurück bleibt die Frage, ob der zuletzt in Niederlagen gestolperte Rekord- und aktuelle Vizemeister genügend Potenzial besitzt, um in Genk oder wo immer auswärts den Umschaltmodus einzuschalten. Oder, um am Ende zum Anfang und zum Nationalteam zurückzukehren, auch das Potenzial der mit Alaba-Ausnahme eher nur bei Mittelständlern spielenden oder eingewechselten Legionäre so überschätzt wird wie Glanz und Glorie von Euro 2021, die sich auf kurze Episoden und die tolle zweite Hälfte gegen Italien beschränkten.

Man kann in der Regel halt nicht mehr Qualität auf den Platz bringen, als man wirklich hat. Wär´s anders, wären wir nicht nur heimliche Euro-Sieger der Herzen geworden, sondern statt Italien zumindest im Endspiel gestanden. Irgendwann holt einen eben die Realität ein. Und das galt und gilt auch im Europacup auf allen Ebenen. Leider.

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