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Warum spielen heimische Pistenartisten immer öfter Statistenrollen bei Sensationen anderer Länder?

Kaum haben sich die Abfahrtsdamen bei Kaiserwetter in St. Moritz für das nebulose Debakel im ersten Rennen auch ohne Podest mit den Plätzen 5 bis 7, 13, 16 und 21 halbwegs rehabilitiert, da ging´s mit den Herren der Schöpfung zwei Tage nach dem ersten Saisonsieg in Gröden puncto Resultat so bergab wie in schlechtesten Zeiten. Da ja die Siegfahrer nicht über Nacht alles verlernt haben können, muss es auch an anderen Faktoren liegen, das ihre Schussfahrten immer wieder ganz schön heftig einbremst. Am Tag, als nur der beste aller Oberelche, Alexander Aamodt Kilde, den historischen und dazu ersten Triumph des 42jährigen französischen Evergreens Johan Clarey verhinderte, landeten die besten ÖSV-Granaten Striedinger und Mayer zeitgleich als Zwölfte gerade noch im ersten Dutzend. D

as allein sollte schon alle Alarmsirenen schrillen lassen, noch viel schlimmer aber ist die Tatsache, dass die jüngeren ÖSV-Semester nicht in der Lage waren, die von Minute zu Minute wie immer auf der Saslong besseren Bedingungen für eine ähnliche Sensation zu nützen wie vor 30 Jahren ein Werner Franz, dessen Stern damals mit Nummer 59 oder so ähnlich mit dem zweiten Platz hinter dem noch unbekannteren Überraschungssieger Markus Foser aus Liechtenstein (Nr.64) aufgegangen war.  

Ja, warum können ein Neumayr, ein Babinsky, ein Krenn, ein Veggie-Fan Schütter oder wie immer die Mitt- oder gar Endzwanziger auch heißen, ihre angeblich guten Trainingsleistungen nicht umsetzen, warum können diese Abfahrer ganz ohne Druck nicht die Lücken schlie0en, die durch die Ausfälle eines Max Franz oder Daniel Danklmaier gerissen wurden. Warum bleiben diese Fahrer irgendwie in der Entwicklung stecken statt irgendwann, wenn die Gunst des Augenblicks da wäre, so zu explodieren wie etwa der Italiener Mattia Casse, der meist nur im Training ganz vorn war. Oder der französische Veteran Adrien Theaux, der sich nach Verletzungen im hohen Rennalter wieder bis zur Tuchfühlung mit dem Podest durchkämpfte…

Gerade Top 12: Otmar Stridinger. Nach Platz 5 wieder ganz vorn: Kilde. Mit 42 am ersten Sieg vorbei: Johan Claret.

Ja, man stellt sich als Ski-Fan , der den Tross seit den 70er-Jahren begleitet und viele Höhen und Tiefen erlebt hat, immer wieder diese Frage: Wie kann´s das geben, dass der mit Top-Budget und allen anderen Top-Rahmenbedingungen ausgestatteten der (auch selbsternannten) Ski-Nation Nummer 1 mitunter auch Exoten um die Ohren fahren. Oder, man nehme nur das Extrembeispiel der italienischen Olympiasiegerin Sofia Goggia in St. Moritz, die trotz einer am Vortag gebrochenen, in Mailand in einer Blitz-Aktion operierten, noch blutverschmierten Hand zum Sieg triumphierte.

Ausnahmekönnerin hin oder her, hinter diesem vielleicht auch allzu wagemutigen, waghalsigen, kühnen. schlussendlich aber gekrönten Abfahrtsabenteuer muss auch ein unglaublicher Wille samt Selbstüberwindung von höchsten Graden stecken. Höchst interessant, dass er bei unseren Ski-Damen am ehesten dort zu finden ist, wo diese aus Verletzungen und/oder langen Zwangspausen kommen wie eine Hütter (5.), eine Ortlieb (6.) und letztlich auch eine   Puchner (7.). Wenn das nicht zu denken gibt, was dann? Diese Flauten haben mit der alles kaschierenden Dominanz von Hirscher dehedem absolut nichts mehr am Hut. Schon gar nicht in Abfahrten.

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