Egal, wie schlimm heute die Pleite mit den sogar als Titelkandidaten gehandelten Eidgenossen ausgeht, das rotweißrote Eishockeyteam hat sich nichtsdestotrotz unter dem stoisch-ruhigen Schweizer Roger Bader sowohl in der erweiterten Weltspitze etabliert als auch emanzipiert. Wenn Sie mich fragen, wie das gemeint ist, so ist dazu zu sagen, dass es außer dem eingebürgerten, fabelhaften Bullen-Torhüter Toivanen keine zweitklassigen amerikanischen oder kanadischen Importstars mehr gibt wie ehedem, mit denen wir uns vorgegaukelt hatten, besser als gut zu sein. Diese Fehlentwicklung hat uns, ehe das alljährliche A-WM-Turnier (das so nebenbei mit dem Stanley-Cup kollidiert!) von den Top 8 sukzessive auf die doppelte Teilnehmerzahl aufgestockt wurde, immer wieder zu einem Paternosterteam gemacht, das Jahr für Jahr mehr oder weniger vergeblich – trotz einiger Ausreißer nach oben – gegen den Abstieg kämpfen musste. Selbst zu Zeiten des ziemlich arroganten NHL-Legionärs und Eishockey-Millionärs Thomas Vanek, der im WM-Nationalteam samt Starallüren eher eine Belastung denn ein Ass war, das uns aus dem Ärmel gezogen wurde.
Es hat einige Zeit gedauert und auch Geduld zum einen, Vertrauen in die Coach-Fähigkeiten Baders zum anderen verlangt, ehe die Rezepte und Konzepte des stets realistischen und nicht über Gebühr enthusiasmierten Schweizers zu greifen begannen nach der Devise: Help yourself, du hast genug Reserven im eigenen Tank! Diese Erkenntnis muss Bader aus den Spielen in der österreichisch-internationalen Liga ebenso gewonnen haben wie von Impressionen heimischer Schweiz- und sonstigen Legionären ebenso wie aus Videos und Berichten über die jungen NHL- oder Farmteams-Spieler wie Rossi, Kasper und auch den kurz vor Torschluss noch zum Team gestoßenen Rohrer, der sich nahtlos in die Mannschaft einfügte, ohne daraus zu viel Lärm zu machen.

Ja, es ist eine an sich eher unösterreichische, weder himmelhochjauchzende noch zu Tode-betrübte barocke Mentalitt, sondern ein Prinzip, das für die Truppe aus vermeintlichen Reservisten lautet: Einer für alle, alle für einen! Diese vermeintlich zweite Wahl an Spielern hat sich in eine von Kampfgeist und Widerstandswillen geprägte erstklassige Einheit verwandelt, die – auch das sei der Wahrheit geschuldet – in entscheidenden Momenten das Spiel-Glück zwang wie zuletzt gegen die Letten, als mit totalem Einsatz und auch Stangenhilfe der Ausgleich verhindert und der Konter in den letzten Sekunden zum 3:1 und dritten Sieg im dritten Spiel geführt hat. Samt neuer Viertelfinal-Chance im Blickfeld …
Was auch immer noch kommt in Zürich und/oder Fribourg, die Eishockey-Cracks haben mit ihren tollen Spielen auch den Teppich für die Fußball-WM-Mannschaft ausgerollt mit dem unübersehbaren Hinweis, dass es nicht die immerwährende Neuauflage der im wahrsten Sinn des Wortes überalterten Achse von A(rnautovic) & A(laba) ist, mit der wir womöglich in den USA ähnliche Überraschungen liefern wie die unterschätzten Hockey-Cracks, sondern Teamwork und Teamgeist im Kollektiv. Auch wenn es uns manch Medien einreden oder vorgaukeln wollen – solche Unterschiedsspieler wie einen Lionel Messi beim Weltmeister-Gegner Argemtinien haben wir in unseren Reihen nicht. Darum ist die Mannschaft aus 11 (+) Männern gefragt. Die Gretchenfrsage, die sich den Kicker-Legionären stellt, ist konträr zu jener, die sich der zwangsweise extrem verjüngten Eishockeytruppe frei nach Thmas Musters Erfolgsrezept gestellt und die sie auch im Ernstfall demütig umgesetzt hat: Sind sie ebenso bereit, notfalls mit schmutzigen Mittlen, also Beißen, Kratzen und Spucken, zu gewinnen? Jedenfalls weit besser und zielführender als in Schönheit zu sterben. Auch wenn dabei irgedwann Flasche leer ist wie heute beim Kegel-Resultat (0:9) gegen Gastgeber und Titelfavorit Schweiz..