Was wäre in Madrid passiert, hätte sich nicht Neuer nach vermeintlich Unhaltbaren gestreckt
Josef Metzger
Es war ein tolles Duell auf Augenhöhe in Madrid, anfänglich mit Vorteilen für den FC Bayern München, später für das weiße, königliche Ballett, das auch, aber nicht nur an seiner Abschlussschwäche scheiterte, vor allem am besten ältesten Weltklasssetormann der Gegenwart, dem inzwischen 40-jährigen Manuel Neuer, der mit fantastischen Reaktionen und Paraden den Topstars Mbappe und Vinicius jr. den Nerv zog. Beim Versuch, Neuer zu überlisten oder am falschen Fuß zu erwischen, wählte vor allem Millionenmann Mbappe mitunter die falsche Ecke bei seinen Schüssen – und um ein Haar wäre sein Anschlusstor keines geworden, weil der Ball ohne effizienten Nachdruck gerade einmal hinter die Linie hoppelte – zu spät diesmal für Neuer…
Womit wir bei einem ganz wichtigen Thema angekommen sind, das in weiterer Folge auch für uns und unser WM-Nationalteam von mehr als nur peripherem Interesse sein sollte. Wer gesehen hat, wie sich der nach längeren Verletzungspausen körperlich wieder in Bestform befindliche Neuer mit seinen knapp 1,95m Größe streckte, um mehr als nur einen Schuss von Mbappe und Co. mit den Spitzen seines Handschuhes ins Torout abzulenken, der wei0, woran Bayern nei Neuer liegt. Wäre er so klein wie unsere Teamkeeper Schlager (1,83m) oder Pentz (1,81/82), dann hätte er wohl diese extremen Schüsse ins lange Eck oder Richtung Laattenkreuz nie und nimmer erreicht, da bin ich mir jedenfalls ganz sicher.
Und es ist ja ein offenes Geheimnis, dass der Fußball mit Ausnahme der körperlich kleineren kreativen Elemente im offensiven Mittelfeld immer größer geworden ist mit Gardemaßen von Tormännern über die Innenverteidiger bis zu den Sturmspitzen, was ja selbst unter R. R. bei uns (Gregerl und Arnie sind jenseits 1,90m) schon gang und gäbe ist. Nur bei den Torleuten sind wir weiter und weit unter dem inzwischen auf 1,90m angewachsenen Durchschnitt, der kaum mit toller Sprungkraft zu kompensieren ist.
Reichweite bleibt Reichweite, ob Arme oder Beine, das kann man drehen, wie man will. Und es hat wohl einen triftigen Grund, warum von Real Madrid (Courtois, 2m) über Bayern (Neuer, 1,94m), Manchester City (Donnarumma, 1,96m), Barcelona (Szechny,1,95m), Manchester United (Onana, 1,90m), Paris St-Germain, Safonow, 1,92m) und noch viel mehr Vereinen und Trainern auf durchtrainierte, gelenkige Riesen im Tor vertraut wird denn auf die relativ kleinen, die damit sowohl in der Luft als auch am Baden benachteiligt und keineswegs, auch wenn sie reaktionsschnell sind, es mit den echten Größen aufnehmen können. Der Überdrüber-Stratege Rangnick sollte das noch vor der WM ins Kalkül ziehen – und mit dem jüngst einberufenen 2,05m-Tormann – Wiegele oder so ähnlich – die Probe aufs Exempel machen, ob er sowohl ein „Langfinger“ ist a la Neuer als auch – ebenfalls wie Manuel – als brillanter Kicker mit dem Ball per Du ist, was ja heutzutage für und beim Spielaufbau ein nicht zu unterschätzender Faktor geworden ist….