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Weltmeister Auböck und Co, was aber bleibt von der Kurzbahn-Euphorie?

Der österreichische Schwimmverband kann stolz auf seine SportlerInnen sein, Die Bilanz der Kurzbahn-WM von Abu Dhabi gleicht einem Weihnachtsgeschenk mit dem ersten Gold seit 13 Jahren für Felix Auböck, der allerdings, das sei gesagt, seit sieben Jahren als Schwimmlegionär in Berlin, Michigan oder Loughborough (GB) seines eigenen Glückes Schmied war und immer noch ist. Zusätzliche Finalplätze und obendrein ein nur um den Hauch von vier Hundertstel verpasster weiterer Endlauf in der absoluten Königsdisziplin, dem 100m-Kraulsprint, das kann sich mehr als sehen lassen.

Heiko Gigler, Grazer aus Kärnten, schlug Rekordwellen, Felix Auböck bejubelte  sein erstes Gold.

Dazu wurden reihenweise österreichische Kurzbahnrekorde gebrochen oder gar Barrieren wie vom großen Talent Simon Bucher, der über 100m Schmetterling gleichzweimal unter 50 Sekunden flatterte, und eben vom in Graz studierenden und trainierenden Kärntner Top-Kraulsprinter Heiko Gigler mit sensationellen 46,74. Traumzeiten, von denen man wie zuvor bei einem Felix Auböck und dann auch einer Lena Grabowski vor einem halben Jahrzehnt nicht einmal zu träumen gewagt hätte.  

Kein Zweifel, das waren und sind Meilensteine oder Riesenbojen, die da in Abu Dhabi gesetzt oder überwunden wurden. Zum anderen aber gab´s auch die eine oder andere Enttäuschung, sei es nun die verpasste Pilhatsch-Medaille ich ihrer Domäne, den 50m Rücken, oder das klar verfehlte Finale der EM-Dritten Lena Grabowski über 200m Rücken. Das sind einige Wermutstropfen in der allgemeinen Euphorie, die einerseits begründet ist, andererseits aber auch nicht dazu verleiten sollte, von Kurzbahnzeiten auf die olympische Langbahn zu schließen.

Und man bei manch einem bombastischen Resultat nicht darauf vergessen dürfe, dass es einige der Topstars des Schwimmsportes vorgezogen hatten, angesichts von kommender Langbahn-WM (Mai, Fukuoka) und EM in Rom (August) das intensive Training diesen Kurzbahn-Titelkämpfen vorzuziehen. Viele der Granden aus den USA, Australien, Japan, China, England, Ungarn etc. waren in den Emiraten nicht am Start.

Wie gesagt, das hat mit Negativismus nichts zu tun, sondern mit einer realistischen Einschätzung der Resultate und der dementsprechenden Einordnung, wo das in vielen Bereichen durch hervorragende Individualisten im guten Mittelfeld angesiedelte Österreich steht. Das sei deshalb angemerkt, weil ja schon zu Beginn der Titelkämpfe ein achter Staffelplatz bejubelt worden war, als wäre es das Gelbe vom Ei, weil man das deutsche Quartett (teils zweite Garnitur) hinter sich gelassen hatte. Platz acht von 12, dahinter nach den Deutschen nur noch Slowakei, Türkei und Thailand.

Was das alles wirklich wert ist, wird sich erst bei der Fukuoka-WM zeigen und danach bei der Rom-EM im Sommer. Kurzbahn und Langbahn sind eben zwei verschiedene Disziplinen innerhalb des Schwimmsports, da muss man nur nachschlagen, wo Rotweißrot abseits von Auböck bei Olympia in Tokio stand. Und frag nach bei Caroline Pilhatsch, die Kurzbahn-Kurzsprinterin, für die Olympia wohl forever eine Utopie bleibt, solange sie sich auf die nicht olympischen 50m spezialisiert. Und dazu noch Kurzbahn.

Dessen ungeachtet hätten es sich die rundum verbesserten Schwimmer(innen) durchaus und redlich verdient, dass sich endlich ein potenter Sponsor findet, der ihnen kräftiger als es bisher der Fall war und ist, unter die Arme greift. Auböck und Co gehören nämlich zu jenen Österreich-SportlerInnen, die drauf und dran sind, den Anschluss an die Europa- und einigen Ausnahmefällen auch Weltklasse zu vollziehen. Oder ihn, siehe Auböck, den Auslandsösterreicher, schon längst aus eigenem Antrieb vollzogen haben.

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