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Wie manch großartige Leistungen toller Sportler buchstäblich unter die Räder kommen

Ich möchte mich heute einem Thema und damit auch Spitzensportlern zuwenden, die nicht auf zweiter oder dritter Ebene sekundäre Erfolge bejubeln lassen, sondern immer wieder mit der Weltspitze Tritt halten können! Und dennoch, so muss man zynisch sagen, kommen sie im wahrsten Sinn des Wortes medial ziemlich unter die Räder in der Relation zu „Heldentaten“ von Nicht-einmal-noch-Starlets, hinter denen eine Lobby steckt, die sie pusht. Sie wissen, wovon ich rede? Wenn nicht, dann möchte ich auf die heimischen Radprofis verweisen, die sich international schon einen Namen gemacht haben, oder gerade dabei sind, sich in der Weltklasse zu etablieren. Was in ihm steckt, wenn er als hochbezahlter Domestik von seinem Movistar-Team einmal freie Hand erhält, hat Gregor Mühlberger mit einem Tagessieg bei der Tour of the Alps gezeigt. Und bei eben dieser Giro-Vorbereitungstour radelte der ehemalige Juniorenweltmeister Felix Gall, 21, wie schon zuvor bei der Baskenland-Rundfahrt ganz vorne mit den Weltbesten wie einem Tour-de-France-Sieger Vingegaard oder Giro-Sieger Gheorgean Hart mit. Wäre er bei der Zieleinfahrt am Ritten nicht gestürzt und lädiert gewesen, wer weiß, wozu er noch fähig gewesen wäre. Spekulation.

Und mit Patrick Konrad, Sohn des Vienna-City-Marathon-Mannes, scheint es auch wieder steil bergauf zu gehen, nicht nur des vierten Platzes bei der Tour oft he Alps am Tag, als Mühlberger triumphierte. Bei Lüttich-Bastogne-Lüttich, einem der berüchtigten belgischen Frühjahrsklassiker, erreichte Konrad als einer der Verfolger des Weltmeisters, Vuelta.- und Vorjahrssiegers Evenepoel das Ziel als Achter! Wäre vor ein paar Jahren ein Österreicher bei einem Klassiker es unter die Top 10 geradelt, es wäre medial als ganz gro0e Sensation verkauft worden. Heutzutage? Achselzucken! Hallo? Top 8 bei einem Radklassiker höchster Anforderung, härtester Konkurrenz, extrem langer, schwerer Strecke ist das nicht ein bisserl mehr wert als – man soll ja wirklich Sportarten und Sportler nicht gegeneinander ausspielen, aber der Vergleich bietet sich an – der eine oder andere Tennissieg auf Challenger-Ebene mit drei bis vier dünn besetzten Turnieren in einer Woche, also Verteilung der Top 150-Leute … Es geht darum, dass endlich auch für den Sport-Normalverbraucher vernünftige Relationen hergestellt werden und nicht fast ununterbrochen heiße Luft geblasen wird. Meist mit dem Endeffekt, dass sich die heiße Luft in – Luft auflöst.

Um beim Radsport zu bleiben, dann möchte ich den Blog-Lesern einen interessanten Mann vorstellen, den der/die eine oder andere noch aus anderem Grund im Hinterkopf hat. Es handelt sich dabei um einen gewissen Rainer Kepplinger, der einst als große Ruderhoffnung galt, sogar eine Junioren-Silbermedaille im LG-Vierer gewonnen hat, der Pandemie wegen aber das damals ankernde Schiff verließ, um aus dem Trainingsrad das Rennrad zu machen.  Kepplinger hat eine steile Karriere mit einigen heimischen Erfolgen hinter sich, die die Aufmerksamkeit der Profimanager weckte. Jetzt fährt er, wie Bernhard Pernsteiner, für das Bahrain-Victorious-Team. Und das bei der aktuell laufenden Tour de Romandie in der Schweiz wahrlich nicht schlecht. Im Zeitfahr-Prolog verlor er nur 13 Sekunden auf den Sieger, war aber schnell als die Yates-Brüder Adam und Simon, nach der 2. Etappe liegt er auf Platz 18 (13). Auch wenn´s keine Überraschung wäre, müsste der 26jährige Spätberufene noch Lehrgeld zahlen – die Leistung ist aller Ehren wert. Ob ihm Ex-Ruderer ein zweiter Roglic steckt, der sich wie der slowenische Superstar erst in der zweiten Sportkarriere selbst verwirklicht, wer weiß…?

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