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Junioren-Schwimm-EM: Im Sog geringsten Widerstands lässt sich nur im Trüben fischen

Im Schatten von Euro, Wimbledon, Tour de France und Olympia-Countdown befinden sich derzeit die Junioren- Schwimmstars von morgen ziemlich unbeachtet auf ihrer EM-Medaillenjagd in Rom. Und wer sich da die Ergebnisse anschaut, der muss sich schon fragen, warum beileibe keine klassischen Schwimmländer wie die Türkei oder auch Bulgarien und Rumänien ganz vorn mitmischen oder gar gewinnen, wir Österreicher aber wie einst nach Rogan, Podoprigora und den Jukic-Geschwistern trotz neuer Vorbilder a la Felix Auböck, Lena Grabowski und anderer Olympiateilnehmer uns nur auf ganz wenige, punktuelle, medaillenlose Lichtblicke beschränken.

Und jene, die da am Foro Italico aufgezeigt haben wie die bisherigen Finalisten Luka Mladenovic (100m Brust/Sbg) oder Martin Espernberger (100m Delfin/OÖ, Marco Wolf) wurden von ihren Trainern auf Bewerbe fokussiert, in denen die Dichte so groß ist, dass indirekt proportional die Medaillenchancen stark sinken. Das, mit Verlaub, scheint eine österreichische Schwimmkrankheit zu sein, die offenbar mit dem bekannten Weg des geringsten Widerstands oder der irrigen (Trainer-)Ansicht zu tun hat, dass man geborenen Sprintern nicht allzu viel Trainingsaufwand zumuten dürfe…

In Papas Sog auf Vater Stefans (l) Spuren: Leon Opatril (r.) erreichte bei Junioren-EM nur Platz 27.

Wohin das führt, das hat man seinerzeit ja schon bei einer Fabienne Nadarajah gesehen, die sich über ihr exotisches Aussehen einen hohen Bekanntheitsgrad erworben, aber in 12 Jahren und drei echten Olympiaden nie für Sommerspiele qualifizier hat. Und in ihrem Sog hat sich auch die die 50m-Rücken-Kurzbahn-Vizeweltmeisterin (2018) Caroline Pilhatsch von Tokio immer weiter entfernt hat statt olympische (Bubble-)Luft schnuppern zu dürfen. Wie man sieht – in der Kürze liegt vor allem im Schwimmen nicht immer oder nie die Würze…

Linz-Legionär Reitshammer mit Trainer Wolf, der auch den Junioren-EM-Finalisten Espernberger befehligt.

Und solcher Beispiele ließen sich etliche mehr aufzählen, was aber im Schwimmverband offenbar niemanden stört, solange man sich brüsten kann, dass sich sowieso ein halbes Dutzend an Athlet(inn)en für die zuschauerlosen Sorgen-Spiele in Japan qualifiziert hat. Jetzt bin ich schon neugierig, ob „Oberfeldwebel“ Wolf als Linzer Cheftrainer willens oder sogar überzeugt war, seinem “Tirol-Legionär“ Bernhard Reitshammer den Marschbefehl über 200m Lagen zu erteilen, wo der Linzer aus Innsbruck die größten Vorlauf-Überlebenschancen hätte, würde er sich als vielseitigerer Schwimmer als Rogan darauf spezialisieren, um ebendort auch den Rogan-Rekord zu übertreffen.

Aber das wird wohl eher nicht gespielt werden, weil ihn der nicht so böse Wolf als Sprintkanone lieber über 100m-Rennen schickt, in denen er, siehe oben, doppelt so viele Gegner hat. Was die Frage aufwirft, warum sich da nicht ein Sportdirektor oder gar eine mit Ex-Schwimmmeistern und Schwimmvätern gespickte, von einem nicht mehr so sportaffinen Architekten geleitete Sportkommission einmischt, um zu sagen, wo es lang geht. Sorry, ich hab´ vergessen, dass einer der Schwimmväter, der bissige Doppeldoktor Stefan Opatril, ja einst ein geborener Sprinter war, der sich zu Olympia 88 geschwindelt hat, um dort zweimal disqualifiziert zu werden. Bad luck. Oder Künstlerpech.

Was seine Kinder betrifft, so hat der Verbands-Vize und Schwimm-Papa zwar nichts unversucht gelassen, das Töchterchen Lena via Staffel nach Tokio zu bringen, was aber nicht gelungen ist. Dafür hat er es geschafft, über den Staffelumweg auch den Junioren-Sohn Leon zur Nachwuchs-EM nach Rom zu entsenden, wo sich der Filius als Vorlauf-27.  weit weg von einem Semifiale nicht gerade mit Ruhm bekleckerte. Hauptsache, man hat die Familientradition fortgesetzt. Wenn´s nach solchen Leuten ginge, dann hätte unser allerbester Schwimmer Felix Auböck ja seinen Schwimmerberuf verfehlt, da er die kraftraubenden, trainingsintensiven 400m Kraul (Weltranglistenerster 2020, aktuell Nr. 5 oder 6) statt der Sprintstrecken gewählt hat. Was aber das betrifft, kann selbst ich nach und trotz 60jähriger Schwimmverband-Erfahrung nur im Trüben fischen… 

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