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WM-Podest-Trio der Speed-Girls mit Silber-Nina, aus dem auch Selbstüberwindung spricht

Wer vor der Damen-WM-Abfahrt in Meribel auf das dieses Medaillenresultat getippt hätte, der wäre bei einem Wettbüro wohl reich geworden. Jasmine Flury, die aus einer Krankheit kam, vor Gold-Tochter Nina Ortlieb, die Sturzorgien, 18 Operationen und jüngst eine Gehirnerschütterung überstanden hat, vor der Olympiasiegerin und Titelverteidigerin  Corinne Suter, die sich in Cortina vor kurzem mehr als nur eine blutige Nase geholt hatte. Dazu gab´s noch einen unglaublichen ÖSV-Teamerfolg, der an Glanzzeiten erinnerte mit Silber, zweimal Blech (Hütter, Puchner) und Platz 7 (Venier). Ja, wer hätte gedacht, dass das davor schon belächelte und kritisierte Nicht-mehr-Imperium derart zurückschlagen würde. Aber so kann´s gehen bei Weltmeisterschaften, die wie alle Medaillenrennen immer wieder ihre eigenen Gesetze haben.

Das unerwartete Podest-WM-Trio (l. Ortlieb) mit der noch sensationelleren Überraschungssiegerin Jasmine Flury aus Davos

Die vermeintlichen Favoritinnen wurden oder haben sich selbst entzaubert, ob sie nun Gut-Behrami, Mowinckel, Lie und vor allem Sofia Goggia geheißen haben, die bei Olympia und im Weltcup bei ihren wilden Ritten zwischen Siegen und Fliegen meist ganz oben auf dem Podest gelandet war. Auch wenn sie vordem gemeint hatte, sie würde den Krebstod ihrer jahrelangen Teamkollegin Elena Fanchini (37) in spezielle, emotionale Energie umwandeln, war halt leichter gesagt als getan, ein aus Tod und Not geborenes Lippenbekenntnis. Wer Goggia in ihrer emotionalen Extrovertiertheit schon vor Jahren erlebt und auch bei diversen Pressekonferenzen gehört hat, der konnte ahnen, dass ihr das Fanchini-Schicksal viel näher gegangen war, als sie es zugeben wollte. Und was diese sentimentalen Grundzüge betrifft, so sind sie bei Frauen mehrheitlich weit ausgeprägter als bei den (Ski)Herren.

Was aber wieder nicht heißt, dass Ski-Damen im Allgemeinen und Speed-Girls im Besonderen schwächer wären, was Selbstüberwindung und ehrgeizige Comeback-Pläne betrifft. Das traf auf das ganze Podest-Trio zu, nicht nur auf Flury, deren letzter Sieg (St. Moritz, Super G) sechs Jahre her war, vor allem aber auf Nina Ortlieb, die Luftlinie nur ein paar Kilometer entfernt von Val d´Isere, wo ihr Vater vor 31 Jahren mit Nr. 1 zum Olympiasieg gerast war, als Vizeweltmeisterin eine Goldene nur um 0,04 verpasst hatte.

Nina hat ihren Ehrgeiz, ihren Mut und ihre Risikobereitschaft nicht nur einigen Horror-Stürzen, mehreren Kreuzbahnrissen, diversen Frakturen und 18 Operationen bezahlt, aber nie die Lust am Rennfahren und den inneren Antrieb zu Erfolgen verloren. Darum bin ich mir sicher, dass die zweimalige Juniorenweltmeisterin auch bei den Großen nicht nur im Weltcup (1 Sieg Super G) auf den Spuren von Papa Patrick wandelt, der als einer von nur fünf Skistars der Geschichte (Zeno Colo, Toni Sailer, Jean Claude Killy, Pirmin Zurbriggen) sowohl Olympiasieger als auch Weltmeister im Abfahrtslauf geworden ist. Schließlich ist Nina erst 26 Jahre jung…

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