Metzger.Live

Zu neuem Boss, Stil und Geist muss nur noch Spielglück das Licht aufgehen

Werte Blog-Leser, angesichts des längsten, ereignisreichsten und trotz eines 1:2 keineswegs frustrierenden Länderspielabends seit Jahrzehnten erlaube ich mir, eben diesen in Zeitraffer nochmals Revue passieren und allenfalls meinen Senf dazu geben zu lassen. Begonnen hat´s also mit Gute Nacht, Wien ohne Energie – Finsternis nach Stromausfall! Fast schon vertagt, dann doch so spät angepfiffen, dass ein – wie es sich weisen sollte – Mitternachtsspuk im Nations-League-Duell mit dem Euro-Halbfinalisten Dänemark angesagt war. Die neuen, fast schon teutonischen Rangnick-Österreicher waren zwar schon von allem Anfang an hellwach, das Licht aber ging ihnen so richtig erst nach der Pause auf.

Und das hatte, man muss der Wahrheit die Ehre geben, auch mit der Einwechslung der drei Kroatien-Torschützen zu tun. Allen voran aber dem so oft als genialer Faulpelz gescholtenen „Arnie“, der in die halbe Arbeitszeit von 45 Minuten quasi doppelte Laufkraft, Spielfreude und Angriffslust investierte. Aber wie es der Fußballteufel nun einmal haben wollte, so wurde der beste Arnautovic, den wir seit langem oder überhaupt gegen einen Weltklassegegner erlebt hatten, von ihm just in seinem 100. Länderspiel geradezu verhöhnt. So toll dem begnadeten Techniker der Patenthaken und dann der grenzgeniale Pass zum 1:1 durch Schlager gelungen war, so dreist stand ihm danach die Torstange und dann, das sei der Ordnung halber gesagt, auch er sich selbst beim Schuss aus zu abgedrängter Position im Weg.

Es sprach für ihn, aber auch den neuen Realitätsbezug der Mannschaft unter dem neuen Teamchef, dass er sich zwar ärgerte, „dass wir die Chancen, die wir gehabt haben, nicht nützen konnten“, aber nicht Gott und die Welt, oder besser gesagt: den Fußballteufel dafür verantwortlich machte, sondern sich und seine Kollegen, die nicht getroffen hatten wie Kalajdzic, Sabitzer, Danso, Wöber. Allein die kurze Aufzählung der Hochkaräter gegen den Weltranglistenelften dokumentiert, mit welch Power, welch Ehrgeiz, welch Willen diese von Kopf bis Fuß neu orientierte Nationalmannschaft da versucht hatte, mit aller Macht ein Match zu gewinnen, das sie letztlich unglücklich verlor.

Er hat schon recht, der neue Teamchef und frühere Bullen-Oberstratege Ralf, wenn er meinte, im falschen Film gewesen zu sein, Chancen für drei Matches gesehen zu haben mit nur einem Törchen nach einem keineswegs schmeichelhaften Blackout des Dänen-Keepers, unter dem Strich also auch null Pünktchen für eine teils hervorragende Leistung und Einstellung. Falscher Film, falsches Resultat – beides stimmt, beides aber auch mit der Einschränkung, dass auch die Dänen über das nicht unhaltbare Siegestor hinaus zwei, drei ebenso tolle Möglichkeiten gehabt hätten, noch vor unserem Ausgleich ein zweites Tor zu erzielen.

Natürlich auch deshalb, weil die neuerlich umgebaute Abwehr mit einem davor erstmals die Hymne singenden, danach spielerisch aktiven Kapitän David Alaba im Zentrum dann und wann durch „Unsauberkeiten“, wie sie Rangnick nannte, den eingespielten, qualitativ starken Dänen die Türen öffnete. Alles Lektionen, aus denen eine tatsächlich neue Nationalelf mit neuem Boss und neuem Geist in einer zwangsweise verordneten Blitz-Kur ganz offensichtlich die richtigen Lehren und Konsequenzen zu ziehen scheint. Oder andersrum: Rangnick hat den richtigen Schalter gefunden, damit dem Team ein Licht aufgeht. Den nächsten müssen die Spieler selber bedienen, um Pech wie Gegner heimzuleuchten.  Aber mit dieser Einstellung lässt sich auch Spiel- und Schussglück zwingen. Hoffentlich…

Die mobile Version verlassen