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Vom Wunschkonzert mit Symphonikern zum „gruenen“ Alptraum – Wien-Marathon deckt Defizite auf

Das Wunschkonzert war am Vorabend gespielt worden. Im Musikvereinssaal, der buchstäblich überlaufen war. Mittendrin und nicht nur dabei am Cello unterv 42 Athlet: innen auch jener Aaron Gruen, in den  USA entdeckter und importierter Emigrantenenkel und Harvardstudent, der unter großem Medienrummel beim Wien-Marathon unter vergleichsweise guten Bedingungen auf Rekordjagd gehen hätte sollen und wollen. Aus Wunschtraum wurde Alptraum in Form einer Unvollendeten, allerdings nicht so klangvoll wie von Ludwig van Beethoven, sondern eher weinerlich mit der Aufgabe vor der Halbzeit. In rekordverdächtiger Zwischenzeit, so ließen uns die Veranstalter wissen. Er sel st verweigerte ein Interviedw im Zielraum…

Fazit aus meiner Sicht: Allzu viel ist ungesund. Zu euphorische Ankündigungs-PR. Zu sehr auf ein bei großen Rennen noch gar nicht bewiesenes Laufprodukt zugeschnitten, denn ResuLtate von Provinzrennen sind eben etwas ganz anderes als ein ViennA City oder gar echter New York-Marathon, bei dem nicht die zweite oder dritte Garnitur, sondern Weltklasse laufen. Darunter sogar Paralympics-Sieger, die auch bei den kerngesunden Athleten mitmachen dürfen, weil sie nur sehbehindert sind wie unsere fast unschkagbaren Ski-Aigners. Und  eine davon, die Äthhioperin Bezahagn siegte so, wie  Aaron Gruen hätte laufen wollen/sollen – in Rekordzeit!  Nur lumpige sechs Sekunden über der Traumgrenze von 2:20 Stunden – und nur fünf Minuten langsamer als der beste Österreicher, der ewig junge Bürgermeistersohn aus Gerasdorf, Andreas Vojta (9., 2:15,07). Die beste Österreicherin, Ex-Rekordlerin Eva Wutti, die mehrmals hatte stehenbleiben müssen, verlor auf die Siegerin 22 Minuten. Mehr ist dazu nicht zu sagen…

Zurück in die Vergangenheit, von der wir gedacht hätten, sie bewältigt zu haben. Wie in den  schlechtesten Zeiten, die wir im Sport hatten. beginnen wir jetzt Auslandsösterreicher oder überhaupt Ausländer einzubürgern, um mit fremden Federn die sportlichen Defizite zu überspielen oder zu kompensieren. Da wir uns aber aktuell in einer eher schwierigen Wirtschaftslage befinden, so kaufen wir eher Ramsch ein statt uns auf den eigenen Nachwuchs zu fokussieren, der dann, wenn er an der Schwelle zu neiner gewissen Klasse steht, sein Heil in der Landflucht sucht, die selbst bei Mittelklasse welchen Sports immer die Kassen besser füllt als daheim. Wir sind also dort angelangt, wo wir vor 50, 60 Jahren gewesen sind. Darüber kann ein echter Rekord (gut 49.0000 Läufer: Innen),also der Zulauf an Hobbyathleten beim Wien-Marathon nicht hinwegtäuschen. Und ich verwahre mich dagegen, als Negativist hingestellt zu werden, weil er sich erlaubt, Negatives zu entlarven statt sich den Schönfärbern anzuschließen, die die Wahrheit auf den Kopf stellen. 

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