Der Skiwinter steht vor der Tür mit dem Gletscher-Weltcup am Rettenbachferner hoch über Sölden, der quasi erfunden wurde, um die Werbung sowohl für Sport als auch Industrie und Wirtschaft anzukurbeln. Sogar der Wettergott scheint nach dem Hitzesommer mitspielen zu wollen, denn eine Kaltfront hat in lichten Höhen auch etwas Winter hereingeschneit, also eine perfekte Kulisse hergezaubert. Hinter ihr aber hat´s ordentlich gekracht, denn zwei Wochen vor dem Startschuss warf der Renndirektor der Herren, Markus Waldner, nach zwölf höchst respektablen Jahren das Handtuch. Hinter vogehaltener Hand deshalb, weil er sich vom früheren Swiss-Ski-Präsidenten und neuen FIS-General Urs Lehmann, Abfahrtsweltmeister 1993 (Morioka), übergangen fühlte und wegen unüberbrückbarer Gegensätze überworfen hat (Foto9. Nebenbei sind Gerüchte im Umlauf, wonach der Abfahrer-Chef Hannes Trinkl, Weltmeister vom 2001, ebenfalls an einen Rückzug denkt.
Kurzum, die FIS kommt auch nach der (knappen) Abwahl des höchst umstrittenen alten Präsidenten auch unter dem neuen aus Liechtenstein (noch) nicht zur Ruhe, nicht zuletzt deshalb, weil just unter Milliardär Eliasch die Ausgaben die Einnahmen um ein Vielfaches überboten und den Kontostand auf einen alarmierenden Tiefstand gedrückt haben. Nicht genug damit, dass nach Kassensturz die Sirenen schrillen, hat der Weltverband die ohnehin durch Klimawandel angeschlagene Industrie mit dem diktatorischen Beschluss, das Gewicht der Rennski zu reduzieren, vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne – so behaupten die Produzenten – profunde Studien vorlegen zu können, dass damit die Risken minimiert und die Sicherheit erhöht wird.
Kurzum, ehe es sportlich losgeht, regieren Machtkämpfe und Drittabschlagen statt beim Aufbruch in eine neue Ära gemeinsam an einem Strang zu ziehen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die gerade im Wintersport und da speziell im Skirennlauf doppelt schwer zu meistern sind. Also kann man nur hoffen, dass spätestens mit dem Weltcupauftakt wieder mehr der Sport am Wort ist als alte, neue Hirschereien um eine Wildcard oder gar TV-Negativwerbung wie über die erkrankten bzw. nochmals operierten Italien-Topstars Sofia Goggia und Federica Brignone, die in Sölden oder noch länger als Aufputz fehlen.
Aber wer weiß, vielleicht fällt eim neuer Stern vom Himmel, um den sich dann alles noch mehr dreht als um einen Norweger, der sich als Neo-Brasilianer im Namen von Frau Mama medial bestens verkauft. Oder einer Lindsey Vonn, von der es heißt, sie würde nach dem fatalen, schmerzhaftem Sturz ins olympische Unglück ,auch mit 42 ein Comeback nicht ausschließen. Ich fürchte, dass noch so heiß aufgekochte Geschichten um alte Namen sich irgendwann totlaufen – und das Fußvolk der Fans eher darauf wartet, dass sich das Rad der Zeit mit neuen Gesichtern so nach vorn dreht wie es ehedem bei einem Herminator Maier oder einem Jahrhundertalent al la Mikaela Shiffrin der Fall gewesen war, die wie ein Naturereignis hereinbrachen: Hoppla, jetzt kommt ich!
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