Wer die Salzburger Bullen beim Duell mit dem GAK in Graz zumindest ausschnittsweise in der Konferenzschaltung verfolgt hat, der konnte darob mit einem Anflug an Entsetzen nur den Kopf schütteln. Was wäre gewesen, hätte da nicht das Aluminum dreimal die schwerfällig wirkenden Bullen vor einem Tor bewahrt, sie wären bei den Hörnffern gepackt worden. Wer die Salzburger über Jahre hinweg gesehen und erlebt hat, wie sie noch vor drei, vier Jahren als Favoritenschreck und Geheimtipp gehandelt worden waren, für den hat sich der damals – siehe Sieg bei Benfica in Lissabon – vermeintlich unaufhaltsame Aufsteiger in eine Truppe verwandelt, die mit uterschiedlichsten Trainer zweiter bis dritter Kategorie zumindest spielerisch in eine Abwärtsspirale geraten ist.
Auch wenn die aktuellen Bullen vorübergehend die Führung in unserer doch eher zweitklassigen Liga der Dorfklubs übernommen haben, auch wenn sie unter ihrem neuen Coach noch ungeschlagen sind und in der Europa League gegen den allerdings mittlerweile unterbemittelten Bulgarien-Meister Lewski Sofia (internatiomales Comeback nach 16 Jahren!) mit Ach, Krach und Krampf knapp gewonnen haben, so sind diese Salzburger nur noch ein Schatten ihrer Vorgänger, in denen vergleichsweise weit mehr Qualität und Klasse steckten. Kein Wunder, wenn Kaliber wie Haaland, Mane, Adeyemi, Laimer, Sabitzer, Seiwald und Co. um meist sehr gutes, aber in Einzelfällen nicht immer angemessenes Geld verkauft und diese Kaliber gegen – man verzeihe den harten Ausdruck – halbe Portionen oder unausgereifte Talente eingetauscht.
Natürlich ist es aller Ehren wert, wenn der Wirtschaftsboss der Bullen, der Ex-Ried- und nicht ganz so wertvolle Ex-Rapid-Kicker Stefan Reiter, voll Stolz verkündet, im Gegensatz zu vielen Groß- und Traditionsvereinen zu den fünf gesündesten Klubs in Europa zu zöählen. Anders als andere Vereine mit großem Namen liegen die Bullen nicht dem Bund oder der Kommune im Sack, sondern sind Selbstversorger dank des Dosen-Imperiums, das auch heuer wieder tolle Dividenden ausschüttet.
Aber den schwarzen Zahlen, die den von Neidgenossen oft und gern kritisierten Klub finanziell auf Rosen betten, stehen aber auch rote Zahlen gegenüber, was sportliche Defizite betrifft, die sich bei weit weniger schöner spielerischer Optik und bei verlorener Vorherrschafte mit mehrjähriger Titelflaute nicht leugnen lassen. Fazit meinerseits: Schlecht oder zumindest nicht wirklich gut spielen und dennoch gewinnen wird a la longue trotz wachsenden Kontostands kein Bestseller als Fortsetzungsroman. Abwarten, was schon das Duell mit dem Millionenklub AC Milan bribgt, obschon auch der nicht mehr ganz das ist, was er einmal…
