Drama pur: Zverev zog den Kopf aus der Schlinge

TENNIS. Erste Bank Open 500, Wr. Stadthalle: Welch ein Super-Tuesday! Erst ein immer aufregenderer, letztlich erfolgreicher Walzer des spanischen Toreros, der im gleißenden Scheinwerferlicht und zum Surren der Kameras nach fünfjähriger Pause begrüßt worden war, als wäre er Rocky Balboa in Gestalt des Carlos „Schnauzbart“Alcaraz. Da war schon Pfeffer drin, ehe man anschließend in den Genuss eines packenden, mitreißenden Erstrundenduells der Nummer 1 des Turnieres, Alexander Zverev, mit der spanischen Wildcard Martin Landaluce kam. Ja, wer hätte nach der schnellen 3:1-Führung für Zverev gedacht, dass man zum Auftakt einen unglaublichen Schlagabtausch von Endspieldramatik erleben würde, der alle Vorstellungen sprengte. Sensationslüstern. Emotionsgeladen. Herzzerreißend. Nichts für schwache Nerven.
Das lag weniger an Zverev, der mitunter zu passiv wirkte, aber vor allem an Landaluce, der sich im einen wahren Spielrausch steigerte, beim Stande von 5:6 im 3. Satz die ersten Matchbälle abwehrte, sich ins Tiebreak kämpfte, dort selbst vier Matchbälle hatte, von denen Zverev den letzten mit einem Ass parierte, ehe er mit 7:5, 3:6, 7:6 mit 13:11 in einem mehr als 20 Minuten langen Tiebreak up and down triumphierte. Der Hamburger zog also doch noch den Kopf aus der Schlinge, womit er mit einem weiteren Sieg in Wien zur Nr. 1 der Welt werden könnte als erster Spieler mitten in einem Turnier. Fragt sich nur, wieviel Substanz er heute gelassen hat…

Davor hatte Torero Alcaraz alle Hände voll zu tun, im Tiebreak des 2. Satzes auch das Zentimeterglück auf seiner Seite gehabt, um den russischen Olympiazweiten und Wien-Finalisten von 2024, Karen Khachanov, in etwas mehr als zwei Stunden harter Arbeit mit dem vierten Matchball 6:4,7:6 zu schlagen. Auch wenn Alcaraz unter Druck des Aufschlagriesen Khachanov dann und wann, da und dort, unerzwungene Fehler beging, so kehrte er dann, wenn ’s nötig war, den siebenfachen Grand-Slam-Sieger hervor, der den Overdrive einlegte, also einen Extragang höher schaltete, um sich verlorene Aufschlagspiele (zum 3:4 im 1. Satz, 6:6 mit vier Punkten in Folge) mit schnellen Rebreaks zurückzuholen. Das ist’s eben, was Superstars von ganz normalen Stars unterscheidet. Zverev machte es ihm unter noch weit dramatischeren Umständen nach. Das Turnier ist fürwahr eine erstklassige Bank auf grossartiges Tennis, gepaart mit einem Pendel, das am Ende doch zugunsten der Favoriten und gegen die Außenseiter ausschlägt, die darob nur Favoritenschrecken ohne Happy End blieben…
