Nicht nur sie Golffans sind enttäuscht, am meisten von sich selbst wohl der in Amerika verheiratete Wiener Sepp Straka, dass er im Übermut, woöglich aus guter Ausgangslage die Top 10 beim US-Masters zu knacken, mehrmals und zu oft übers Ziel dchoss. Mit einer Überzahl an Bogeys und nur zwei Birdies tauschte der risikofreudige Sepp einen Top 30-Platz gegen Rang 41 nach einer finalen 76er-Runde. Ja, so ist es beim Golf auf höchster Ebene. Davon können auch Topstars mitunter ein Liedchen singen…
Jetzt ziehen viele ein Schnoferl, wenn einer beim ersten Major-Turnier des Jahres zwar den Cut schafft, aber nicht um den Sieg nitspielt, obwohl er schon vier Triumphe auf der US-PGA-Tour und Millionen an Preisgeld auf dem Konto hat. Ja, so schnell können sich die Perspektiven verschieben, denn es ist keine 30 Jahre her, dass die Teilnahme eines österreichischen Golfers, ob Profi oder gar noch Amateur, so weit weg schien wie die Erde vom Mond – oder wie der erste Schwarzafrikaner, der im Skirennsport gewinnt. Ja, wir waren in dieser Situation, auch wenn wir schon damals einen Schotten-Golfer wie Gordon Manson einbürgerten, es einen Serienmeister wie den Röntgenologen Klaus Nierlich, den Freudenau-Pro Ossi Gartenmaier, den Studenten Markus „Maudi“ Brier und den international gut vernetzten Baumeistersohn Karl Ableidinger gab.
Das änderte sich im wahrsten Sinn des Wortes schlagartig, als Brier als Magister der Betriebswirtschaft auch alle Register seines Golfkönnens zog – erst in der Challenge-Tour, in der Turniere gewann, um sich für die European-Tour zu qualifizieren und dort dann noch dazu im Stronach-Golfclub Fontana als erster Österreicher mit seinem historischen Premierensieg heimische Sportgeschichte zu schreiben – ein ähnlicher Durchbruch, der auch einen Golf-Boom auslöste wie es 30 Jahre davor im Tennis der Fall gewesen war, als der Kärntner Ex-Ballbub aus Spittal, ein junger Mann ohne elitären Hintergrund wie etwa der Apotheker Franz Saiko, damals mit zwei Einzelerfolgen in Edinburgh die Basis zum für ausgeschlossen gehaltenen Daviscup-Sensationssieg gegen die Briten ebnete.
Auf einmal war Tennis IN, wovon auch die Epigonen und nächsten Trendsetter Muster und viel später Thiem profitierten, die bisher einzigen Grand-Slam-Sieger des Landes. Nicht nur darum, weil Kary mir bis heute freundschaftlich verbunden ist, sei erinnert, dass der Kärntner immerhin Topstars der Szene wie die Wimbledonsieger Stan Smith und Jan Kodes, Superstar Nastase, Paris-Sieger Adriano Panatta, die Nr. 7 der Welt, Corrado Barrazutti oder French-open.Finalist Zjelko Franulovic besiegt, das Wien- und Hamburg-Semifinale erreicht und in Lagos seinen einzigen GP-Sieg (gegen Feigl) gefeiert hat. Das Golf-Pendant Brier war zur und nach der Jahrtausendwende der gleiche Katalysator mit drei Turniersiegen und einen mit Tiger Woods geteilten 12. Platz beim British-Open-Klassiker.
Es geht immer um Türöffner. ch maße mir an zu behaupten: Ohne Brier kein Bernd Wiesberger (8 Turniersiege!), kein Schwab, kein Nemec und vor allem kein Sepp Straka, der mit seinem Zwillingsbruder und den Schwab-Zwillingen für mich der Antrieb anno 2008/9 war, im damaligen Presse-Golfmagazin die Geschichte „Brüderlein fein“ zu verfassen. Damals noch begleitet von US-Mama aus Georgia, der der Architektensohn vom Petersplatz aus Wien nach Amerika und ins (Golf) College folgte. Es hat gedauert, bis er reif war für die PGA-Tour, dort aber machte er Schlagzeilen als erster Österreicher, der je ein PGA-Turnier gewinnen konnte, von denen es inzwischen vier sind und zahlreiche Top-Resultate dazu, darunter Platz 2 im British Open. Das hat natürlich Begehrlichkeiten geweckt, dass er auch bei Majors siegreich ab- und zuschlägt. Im Mai hat Kitzbühel das Vergnügen, den strammen Sepp beim Austrian Alpine Open im GC Kitzbühel-Schwarzsee vom 1. bis zum 18. Loch zu folgen. Diesmal auf der DP World Tour, wo ihm ein Sieg fehlt. Kein Grund, ein Schnoferl zu ziehen, wenn man die Nr. 13 der Welt besitzt. Da noch viel nehr Menschen golfen, in der Relation zum Tennis locker eine Top 10 oder gar Top 6. Also fast in Thiem-Dimensionen…







