Wie jeder, der das Rennen über 200m Kraul der Herren bei der Schwimm-Euro in Paris live verfolgt hat,war auch meine Wenigkeit fasziniert von Christian Giefing, dem 18jährigen Zögling des ungarischen Südstadt-Trainers Balazs Fehervari. Wahrlich elektrisierend, wie der Sohn eines Elektrohändlers auf der vierten und letzten Länge den Schalter umlegte, um als sensationeller Vorlaufschnellster nicht nur ins Semifiale zu kraulen, sondern auf dem Weg zum Zwischenziel auch den österreichischen Rekord seines weltmeisterlichen Vorbilds Felix Auböck in der Weltklassezeit von 1:44,96 um 0,15 Sekunden zu schlagen.
Eine derart tolle Zeit, dass sie auch Giefing selbst überraschte, obwohl er sich eingetrichtert hatte, schon in der Früh alles zu geben, „weil ich gewusst hab, dass man sich nicht spielen kann bei der Leistugsdichte!“ Wie gut seine Leistung war, das zeigte nicht zuletzt auch der große Vorsprung, den Christian auf David Popovici hatte, den rumänischen Wunderknaben turned Jung-Twen (22), der in 1:46,06 Minuten als Viertschnellster sicher noch Reserven besitzt, die er inbestieren kann. Was auch für den anderen Olympiasieger und Weltmeister gilt, den Deutschen Lucas Märtens und andere Routiniers.
Wer aber gedacht hätte, man würde Giefing nur eine Stunde nach dem Sensationsrennen den Start in der von vornherein chancenlosen 4x100m-Kraulstaffel ersparen, damit er vor dem Einzel-Semifinale keine unnötigen Körner verschießt, der saß einem Irrtum auf. Statt den Medaillenkandidaten zu schonen und durch den nach einem schwachen 50m-Rückenrennen kaum überforderten Innsbrucker Vizepräsidentensohn Leon Opatril zu ersetzen, wurde auf Giefing gebaut, der in 48,29 Sekunden zwar schneller als alle heimischen Sprinter war, den bis heuer so verlässlichen Kärntner Heiko Gigler (48,62) inklusive, aber trotzdem nicht verhindern konnte, dass das OSV-Quartett über Platz 13 nicht hinauskam.
Zurück bleibt die bange, aber auch elektrisierende Frage, wie sich der letztlich sinn- und erfolglose Kraftakt vormittags im abendlichen Semifinale auswirkt, wo es für Teenager Giefing um weit mehr geht/ging als vormittags um einen international wertlosen OSV-Staffelrekord. Es wäre fatal, müsste der Elektro-Unternehmer-Sohn diese für mich unverantwortliche Kurzschlusshandlung der Verbands-Entscheidungsträger womöglich teuer bezahlen…
