


60 Jahre Hotel Karl Schranz – das Jubiläum, zu dem mich der einstige Skikönig vom Arlberg in alter Verbundenheit eingeladen hatte, war weder Märtyrer-Demonstration a la 1972 noch dörfliches Volksfest in St. Anton, der Wiege des Skisports. Es entpuppte sich als eine echte Familienfeier, zu der neben Fünfmal-Weltcupsieger Marc Girardelli und dem ersten Fussball-Legionär und Schranz-Lebensfreund Branko Milanovic ehemalige Gegner aus der Schweiz angereist waren – mit oder Alphorn, auf dem zum 5-Uhr-Tee wie in offenbar besseren alten Zeiten zum Halali aufs umfang- und ideenreiche Buffet geblasen wurde.
Sie stießen ins Horn und demonstrierten mit ihrem Sprachrohr, dem ehemaligen Weltklasse(ab)fahrer Andreas Sprecher, nebenbei auch noch, wie sich die eidgenössische Abwandlung unseres Jodelns anhört, phonetisch genannt Juussen oder so ähnlich, jedenfslls befreiend von innen. Damit hob sich der Vorhang für das Schranz-Viermäderlhaus, von denen die neue Hotelchefin Anna Maria, inzwischen zweifache Mama, mit der jüngeren Schwester Christiane, in Doppel-Conference eine launige Laudatio auf ihren bald 88-jährigen Herrn Papa und Frau Mama Evelyn hielten. Nicht nur dabei, sondern mittendrin die dritte Schranz-Generation mit der belgischen Enkeltochter Lili, 4, die beim abendlichen Rock’n-Roll schwungvolle Pirouetten drehte, und dem neugeborenen Enkelsohn Henri Karl, der in den Armen von Mama, Großmüttern oder Tante Kathi, dem jüngsten Schranz-Spross, den Schlaf des Gerechten schlief.
Erst den Alphörnern, dann Peter Alexander, Udo Jürgens, Elvis Presley und Co zum Trotz. So unbeirrt und ziel/erfolgsorientiert. Wie der Opa nicht nur als vierfacher Streif-Sieger, dreifacher Weltmeister, zweimaliger Weltcupsieger und olympischer Pechvogel imner war, dem autokratische IOC-Götter den goldenen Himmelsturm zweimal verweigerten. Das späte Familienglück hingegen, das unsereins bei diesem Jubiläum live mitfeiern durfte, half schlussendlich über all Missbill hinweg. Und jetzt wurde ihm noch ein männlicher Erbe und, wer weiß das schon, auch als möglicher sportlicher Nachfolger – ob Ski, ob Rad, alles Zukunftsmusik – geschenkt. Halb belgisches Blut, halb Tiroler Dickschädel. Aber bei diesem Gehege ganz sicher kein einsamer Wolf vom Arlberg mehr …
