Nach den US-Open ist vor dem Daviscup gegen Belgien für unsere in Fushing Meadows früh gescheiterten Helden der jeweils 3:2 gewonnenen Duelle mit Ungarn und Japan. Dafür wurde, dem e/motion-Zampano Herwig Straka sei´s gedankt, auf der Anlage des WAC neben der Jesuitenwiese im Wiener Prater eigens für dieses Play-off-Match um den Einzug ins Top-8-Finale (Bologna) ein schmucker Sandkasten, umrahmt von Tribünen für 4000 Fans, aus dem Kunstrasen gestampft. Dort, wo sonst nur nur noch Landhockey gespielt wird.
Es ist so etwas wie ein Revival im kleineren Format des legendären 1990er-Duells mit den USA und deren Einzel- wie Doppelstars Agassi, Chang und dem Doppel Leach-Pugh, damals auch die Nr. 1 der Welt. Diesmal ist die Ausgangspositiom anders, nicht nur deshalb, weil wir keinen wie de Tominator Muster mehr in der Mannschaft haben, aber trotzdem sehr gute Karten besitzen, weil mit dem US-Open-Viertelfinalisten Alexander Blockx (Nr. 32) und Raphael Collignon (Nr. 37) die belgischen Nummern 1 und 3 für Wien und Daviscup abgesagt haben.
Für beide haben Tour und Ranking, also das tägliche Tennis-Brot, halt Vorrang gegenüber dem vom Prestige-Teamwettkampf zum Reform-Bewerb geschrumpften Daviscup in zwei statt drei Tagen und Best-of-3 statt Best-of-5-Modus. Vorbei sind historische Tage wie jene zwei, in denen einst Horst Skoff die damalige Nr 1, Mats Wilander, in 6:04-Stunden voll atemberaubender Spannung und unüberbietbarer Dramatik besiegt hatte, ehe er – geheimgehalten grippegeschwächt – im Stadion-Sandkasten des Ronnie Leitgeb ebenfalls erst nach zwei Tagen mit nächtlicher Unterbrechung gegen Michael Chang nach 2:1-Satzführung unterging …
Und unsereins erinnert sich auch noch an Daviscup-Schlachten vor etwa 50 Jahren, denen der Trendsetter und Pionier des Profi-Tennis im Lande, Hans Kary also, seinen Stempel aufdrückte. Damals auf dem Court des Postsportplatzes in Hernals, auf dem sich der räumlichen Enge wegen die Fans drängelten. Damals, als Kary den Paris-Finalisten Francois Jauffret mit einer (via Mediziner-Psychologen Huber aufgebauten) taktischen Meisterleistung in drei Sätze wegputzte und dann im sogenannten Dead Rubber, also bei 1:3 um die Goldene Ananas, gegen George Goven bis zum Eibruch der Dunkelheit und Abbruch im 4. Satz alle in Atem hielt.
Wäre schön, würde man auf dem WAC-Platz einen Hauch von diesen Erinnerungen spüren ud erleben, als der alte Daviscup als hässlichste Salatschüssel der Welt noch einen Ruf, Rang und Stellenwert hatte wie Olympia oder Fußball-WM. Der neue, zeitsparende, aber auch Spannungsmomente aussparende Modus und die vielen Topspieler, die dem Reform-Daviscup die kalte Schulter zeigen, sind bisher allerdigs kaum unter die Haut gegangen. Abwarten, ob´s den Kurieren des Bewerbs zumindest bei uns gelingt, auch wenn man von eiem VW-Käfer nicht erwarten kann, dass er den Porsche schlägt. Und selbst dann, wenn wir die ersatzgeschwächten Belgier besiegen und ins Bologna-Finalturnier einziehen sollten, können nur die Allerahnungslosesten glauben, dass wir zu den acht besten Tennisnationen zählen, obschon wir nicht eimmal einen Top-100-Spieler besitzen.
