Da ja die Three Lions, die beim Thrilla in Azteca auch in Unterzahl noch so viel Biss zeigten, um in einem 3:2-Drama weiter im Rennen zu bleiben um den zweiten WM-Titel nach 1966, werde ich mich weder mit Kane und Co noch mit Haaland und Wikingern auseinandersetzen, sondern mit dem Abgesang des fünfmaligen Weltmeisters Brasilien. Auch wenn Tränen flossen, dass mit oder trotz Trainer Ancelotti, dem besten aller Werbeträger für Kaugummi, die großteils in Europa engagierten Stars aus dem 220-Millonenvolk erstmals seit Jahrzehnten schon im WM-Achtelfinale ausgeschieden sind, noch dazu gegen eine ehedem kaum ernstgenommene FWitersport- denn ußballnation, so ist dieses Ende mit Schrecken seit langem verbunden mit einem sportlichen Schrecken ohne Ende.
Ja, es ist weder einer der zu vielen Tippfehler noch haben Sie sich, werte Blog-Freunde, dabei verlesen. Zwischen den abgedroschenen Platitüden der meisten Medien, die immer noch von den Ballzauberern an den Stränden der Copacabana oder von Santos und Bahia faseln, und der rauen nis betongrauen Realität besteht seit Jahren ein Riesenunterschied. Und zwar deshalb, weil den Stars in spe, die besser kicken als lesen und schreiben konnten, durch den Ab- und Ausverkauf der Favelas (Armenviertel) nahe der Sandstrände an Hotelkonzerne der Nährboden als Lebenselixier entzogen, sie in Betonwüsten a la Rennbahnsiedlung in der Peripherie der Städte verdrängt wurden. Während früher Strandkicker von Pele abwärts den Ball wie Jongleure schon in der Luft angeln mussten, weil er sich ja sinst im Sand verspringt, ist das in Betonkäfigen oder auf Rasen und Kunstrasen nichr mehr der Fall, die Jogleure nicht so gefragt wie das Spiel gegen den Ball..
Und darum haben inzwischen Eisenfüße wie Casemiro und Co eher Saison als der Ausnahmekönner Vinicius jr. und sein immer wieder verletzter Vorgänger und Resultatkosmetik-Elferschütze gegen Norwegen, der Purzelbaumkönig Neymar jr. Aber je öfter die Medien und da vor allem jene im Fernsehen dieses Ballhauberer-Klischee verbreiten, das nachweislich nicht mehr stimmt mit ganz wenigen Ausnahmen, desto mehr reiben sch Manager die Hände, weil sie mit dieser legendären Schablone weiter ihr gutes Geschäft machen. Die Zeche zahlt der brasilianische Fußball, der alten Erfolgen bis Triumphen mit Krokodilstränen nachweint, während ihn die raue, graue Wirklichkeit fast schon überholt.

Wär´s anders, hätte das stolze Ordem-e-Progreso-Millionenland bei der Heim-WM in Rio de Janeiro von den inzwischen auch abgewirtschafteten Deutschen anno 2014 keine 1:7-Plete a la San Marino kassiert und die Südamerika-WM-Ausscheidung 2026 nur auf Platz 5 abgeschlossen, gerade noch direkt qualifziert. Die Zahlen lügen nicht. Was schon gegen Marokko teilweise der Fall war, hat sich jetzt mit der als Sensation verkauften Nicht-Überraschung bestätigt. Die alles andere denn hölzernen, vielmehr balltechnisch (Ex-Real-Madrid-Starlet, jetzt Arsenal-Regisseur Odegaard!) versierten und abschlusstarken Wikinger sind mittlerweile die besseren Brasilianer, die nicht Samba tanzen, aber im und nach dem Spiel mit Hauruck-Rufen rudern oder aber wie Superman Haaland auf die Pauke hauen. Auch wenn Ästheten in der Seele schmerzt, dass die Pele und Co-Epigonen nur noch halbe Portionen sind – Brasilien ist leider gestrandet! Don´t cry for me, Pele …
