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Felix Gall sei gelobt, aber auch gesagt: Verachtet mir den treuen Diener Gregor nicht

Was ein echter Radsport-Fan ist, der kann live im Eurosport nicht nur die Dominanz des slowenischen Neo-Kannibalen Tadej Pogacar verfolgen, der mit den Gegnern macht, was er will, immer neue Rekorde aufstellt wie heute die längste, erfolgreiche Soloflucht, die es jemals bei einer Grand Tour gab – 50,3 km allein bergauf, bergab mit fastdrei Minuten Vorsprung. Man konnte auch den Hut ziehen vor Felix Gall, der zumindest den Versuch wagte, Pogacar zu folgen, aber dann als sinnlos wieder abbrach, als er sah, dass er diese Tritt-Frequenz nicht halten konnte. Immerhin sicherte er sich Platz drei in der Etappe, womit er im Gesamtklassement einen Riesenprung vom Platz 63 an die 7. Stelle machte – aber trotzdem schon 3:57 Minuten hinter Pogacar zurück.

Wer Gall sagt, muss aber  in einem Atemzug auch seinen oberösterreichischen Landsmann Gregor Mülberger nennen, der immerhin auch auf Platz 11 vorgerückt ist im Gesamtklassement, ohne den aber manch Husarenritt des Osttiroler Bergspezialisten Gall gar nicht möglich gewesen wäre. Mühlberger verkörpert im besten und keieswegs abwertenden Sinn des Wortes die Rolle des Edeldomestiken, wie man es im professionellen Radsport nennt. Gregor, ein paar Jährchen älter als Felix, eun alter Hase in megr ioder weiger großen Rundfahrten, aber immer noch ordentlich bei Kräften, spannt sich entweder als Lokomotive vor Felix in eine Gruppe, um aufs Tempo zu drücken, oder tritt dann, wenn der Freund und Chef schon vorne unterwegs ist, bei den Verfolgern ohne Führungsarbeit auf die Bremse.

Ein Rollenspiel, bei dem einer vom anderen profitiert, was sich auch in Resultaten niederschlägt, ganz sicher aber zu Platz 15 im Giro auch im Börsel vom Mühlberger im Fiorm guten Soldes. Weil Felix Gall weiß, dass er sich auf seinen Landsman und Teamkollegen verlassen kann, hat er den treuen, edlen Helfer beim Wechsel vom frazösischen Decathlon-Team zum mehr oder weniger deutschen Lidl-Trek-Team mitgenommen, um im neuen Rennjahr mit vereinten, bestens verteilten Kräften einen Sturm auf ein Tour-de-France-Podest zu starten.

Auch wenn es solch Ausnahmen gibt wie den Kannibalen Pogacar, so weiß auch der Slowene die Arbeit beim Emiraten-Team hoch einhuschätzen. Bevor am Ende der Stärkste allein am stärksten ist, muss davor die Mannschaft so kräftig in die Pedale treten, dass die Verfolger schon am Anschlag sind, wenn der Kapitän zum Angriff bläst. Das sind die Gesetze des Profisports, denen sich Vollprofi Mühlberger uterordnet, weil ihm bewusst ist, dass er bei einer Grand Tour nur mit dem Capo erfolgreich sein kann, dafür aber freie Hand bekommen hatte, um die Tour of Austria zu gewinnen. Alles hat seinen Preis. In diesem Sinne sei gesagt: Bei allem Lob für Felix, den Besten, de wir hatten, verachtet mir Gregor nicht, den Wegbegleiter, Schrittmacher und treue Diener seines Herrn.  

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