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Nachruf auf Michael Kuhn, meinen Freund und Mentor in jungen Jahren

‎9‍Für mich war er so etwas wie mein journalistischer Urvater, der für immer da ist, obschon wir in total verschiedenen Zeitungen tätig waren, er als Grandseigneur bei der Krone, ich als jüngerer Mehrfach-Ressortchef bei der „Presse“ , wo sein Vater, der Herr Kommerzienrat, in den 70er-Jahren mein Geschäftsführer war. Und dann, so verriet mir meine Mama, gab´s auch noch gastronomische Verbindung zwischen unseren Vätern, die uns schweißten, ohne je darüber ein Wort zu verlieren. Für mich war´s fast unvorstellbar, dass es ihn nicht gibt. Heute nacht ist Michael Kuhn, wie mir einervseiner Nachfolger, dercsportive Comedy Hirte Peter Moizi mitteilte, im stolzen Alter von kapp 89 Jahren in seiner Sommerresidenz in Kärnten verstorben.

Ein Tod, der Erinnerungen weckt, die wir in unserem Leben  seit den 60er-Jahren geteilt hatten, schließlich trennten uns nur vier Etagen im Pressehaus am Donaukanal, er saß im 9. , ich im 13. Stock. Er war schon jageelang Sportchef, als ich noch ein journalistischer Neuling und er wie meine Chefitäten Jeschko und Zimmer ein täglicher Gesprächspartner war – mehr noch, als ich als Spätberufener führerscheinlos war, nahm mich der Michl oft in seinem Auto mit, wohin  immer. „Du g´gfallst ma, weilst goschert bist“, hat er damals oft gesagt. Er hat meine Meinungen, auch wenn sie seinen widersprachen, zwar nicht immer goutiert, aber akzeptiert. Und als ich ihm dieses Jahr meine Osterwünsche sendete, schrieb er mir zurück, dass er meinen Blog noch vor den Tageszeitungen lese. Wie gesagt schriftlich, denn mit dem Gehör war´s eine leidige Sache.

Es war die leise Fortsetzung dessen, was sich über mehr als ein Vierteljahrhundert zugetragen hatte. Kaum war der eine oder der andere um etwa 9 Uhr früh im Büro, da klingelte es schon: „Was wer ma“ so fragte einmal der Michl, einmal ich, „heut´ für a Thema behandeln, worüber wer´ ma heut schreiben. …?“ Und alles ging weit übers Pressehaus hinaus, denn die so verschiedenen Blätter mit Kuhn-Krone und dem viel späteren Presse-Metzger mützten auch ihre Kontakte, um sich bei olympischen Spielen gemeinsame Häuser zu mieten, wo dann die „Presse“ zu zweit und die „Krone“ zu dritt oder viert in Lake Placid und Los Angeles ihr Quartier bezogen, manchmal begleitet von Zwischenfällen, die wir gemeinsam trotzdem lösten.

Michael Kuhn, gymnasial humanistisch gebildeter Studienabbrecher wie Zmmer und meine Wenigkeit zugunsten der Journalisten-Leidenschaft, wurde  nicht nur als Krone-Kolumnist, sondern auch – Dorn im Auge von ORF-General Gerd Bacher, der als Ex-Pressehaus-Boss mit dem Krone-Mieter und Überchef Hans Dichand über Kreuz war – als TV-Kommentator und Moderator im Fußball und Skirennlauf zum populärsten Sportreporter des Landes. Einer, der viele Akzente setzte mit Fußballer-des-Jahres-Wahl, der alljährlichen Kuhn-Chronik als Sportjahrbuch, bei der ich mitschreiben durfte, und schließllich mit der Gründung von Sports Media Austria, um sich mit dortiger freiwilliger Zugehörigkeit von gewerkschaftlicher Abhängigkeit zu lösen. Zuletzt war er noch deren Ehrenpräsident (Foto mit AIPS-Weltchef Gianni Merlo und IOC-Altpräsident Thomas Bach).

Die staatlichen und sportlichen Orden, die er für sein Lebenswerk im Lauf der Jahre bekam, die hat sich der Michl in mitunter 20-stündiger täglicher Journalisten-Passion mehr als verdient, weil er über interne Krone- und ORF-Querelen hinaus auch immer versucht hat, die heimische Sport(ler)-Familie zusammen zu halten von Hasil über Neuper bis zu jungen Hupfern, die seine Enkel sein könnten. Sein eigenes Enkerl, Tochter von Tochter Bina (aus erster Ehe), hat er fast abgöttisch geliebt. Wie seine zweite Frau Helga, die schon als Krone-Chefsekretärin astrologische Bücher  publizierte. Und vor einem Jahr mit Michl in der Eden, um dort launig-ironisch zu reden, ihren 80er  zelebrierte – er im Smoking, eh klar.  Denn Michl Kuhn war, nicht nur gedresst wie ein Gentleman, ein echter Sir vom Scheitel bis zur Sohle, ein Großbürger, der auch im Sport nicht kleinkariert dachte, sondern trotz Boulevard eher auf der NY-Seite stand nach deren Prinzip: Fit to print! Jetzt gibt´s den Michl, den es für mich quasi für mmer gegeben hatte, als würde er ewig leben, plötzlich nicht mehr. Es ist, auch wenn es abgedroschen klingt, eine nicht zu schließende Lücke, die er als Persönlichkeit hinterlässt. Leb´. wohl, mein Freund und Mentor in jungen Jahren, von dem ich so viel gelernt hab´. R. I. P.

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