Als dienstältester immer noch aktiver Journalist, dessen Horizont dank humanistischer Ausbildung ein bisschen über den Tellerrand hinaus reicht, bin ich persönlich mehr als verstimmt über die Argumentation, warum Benjamim Karl als 4o-jähriger Doppelolympiasieger, fünfmaliger Weltmeister, x-facher Weltcupsieger und erfolgreichster Snowboarder der Geschichte nicht auf der dreiköpfigen Shortist zur Wahl des Sportlers 2026 aufscheint. Nicht etwa, weil er im Überschwang der Emotionen bei seinem Triumph in Livigno nach dem Vorbild des alpinen Herminators das Trikot in einem Kraftakt in zwei Teile zerfetzt hatte, um sich als Muskelprotz zu zeigen.
Nein, nein, diese überbordende Maskulinität war´s nicht, die zumindest vielen meiner meist viel jüngeren Kolleg(inn)en ein Dorn im Aug´ war, da würde man einem Irrtum aufsitzen. Es ging vielmehr um den privaten, familiären Bereich, der mit Bennis Ehe und Ehefrau zu tun hat, der Tochter des ehemals schwergewichtigen Weltklasse-Abfahrers und verbal noch schlagfertigeren Lienzers Werner Grissmann. Was hat ihr der in die Jahre gekommene Benjamin angetan? Hat er sie gar, da sei Me-too zu Recht davor oder dahinter, um es aufzudecken, geprügelt, gar verletzt oder sonstwie misshandelt? Mitnichten!
Es sei denn, die wider aktuellem Mainstream benützten Worte von Herrn Karl wurden als solche interpretiert und von einer Mehrzahl der 296 wählenden Kollegen dementsprechend als Ausschlussgrund gewertet. Was, bitte vielmals, hat er zu sagen gewagt, womit bat er verwirkt, womöglich ganz oben zu stehen als Wahl-Osttiroler im Rennen mit dem echten Osttiroler Pedalritter Felix Gall, dem erfolgreichsten Radprofi, de wir je hatten, und seinem wilderen, ebenfalls doppelt vergoldeten Brett-Kollegen Alessandro Hämmerle?
Zum Entsetzten vor allem der Feministen und männlichen Weichspüler hat sich der Niederösterreicher aus Lienz zu seiner Schande zu behaupten erlaubt, dass sich Frau Gemahlin in ihrem Freiräumen auch nach seinen Trainings- und Terminplänen richten müsse, weil schließlich er mit seinen Erfolgen und Verträgen das Leben beider finanziere.
Auch wenn es, Rauchfangmeisterei Grissmann in Lienz hin oder her, den Tatsachen nahe kam, so hat der Boarder-King nicht mehr gebraucht. Hatte er sich als Macho- schlimmsten Kalibers zunächst einem Shitstorm eines empörten, bestimmten, politisch punzierten Klüngels erwehren müssen, so musste er jetzt wehrlos zusehen, wie er per Federstrich als Macho von gestern, der mit überholten Lebensmuster schlechten Einfluß auf Junge ausübe, sportlichen Goldtaten zum Trotz als unwählbare Größe aus dem möglichen Siegespodest entfernt wurde.
Man kan das getrost, um es der Politik zu entlehnen, als Ausgrenzung bezeichnen, die sich seit geraumer Zeit unter dem Deckmantel des Demokratie-Schutzes und immer mehr ausufernden „Genderitis“ als alternativlose Punzierung eingebürgert hat. Da komme noch einer und sage, dass Sport und Politik nichts miteinander zu tun hätten-Ich weiß ja von meiner selbst, wie man runtergemacht bis missachtet wird, wenn man sich nicht dem Diktat des Mainstreams einer inzwischen zur Minorität geschrumpften Nomenklatura beugt. In diesem Sinne: Es lebe die Meinungsfreiheit, die dort endet, wo sie anderen nicht in den Kram passt!
