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Zverev vs. Fery oder Indiz, dass immer seltener David dem Goliath ein Bein stellen kann

afp

Wie immer die Erste Bank Open 500 auch enden, die Auflage 2026 hat mit dramatischen Geschichten schon Geschichte geschrieben als so gut wie ausverkauftes Turnier mit einer Besetzung wie bei einem Masters 1000, wo es für Topstars ja Pflicht ist, daran teilzunehmen. Und natürlich mit der Krönung von Alexander Zverev zur Nummer 1 zur Wochenmitte, auch wenn er erst Monteg als solcher offiziell ausgeschildert wird. Ein historisches Ereignis für den Hamburger und sein Team, das bis in die frühen Morgenstunden feierte, wie er selbst gestand, ihn aber nicht daran hinderte, mit dem klein gewachsenen Briten Arthur Fery kurzen Prozess binnen 59 Minuten zu machen beim 6:0, 6:2.

Der Engländer mit französischen Wurzeln konnte einem leid tun, weil ihm Zverev, was immer er auch versuchte, die Bälle nur so um die Ohren schoss. Als er endlich im zweiten Satz ein Game gewann, riss er die Arme hoch, als hätte er gerade wieder eine Sensation wie heuer bei seinem Vorstoß bis ins Semifinale von Wimbledon geschafft, in seinem Wohnzimmer, in dem er spielerisch ufgewachsen, darüber aber schon längst Gras gewachsen ist. Aber selbst auf dem langsamen Hardcourt in der Stadthalle, der unter Ihresgleichen viele extrem lange Ballwechsel ermöglichte, entpuppte sich der enorme Größenunterscnied von Zverev mt 1,98m und von Fery mit bescheidenen 1,75m als unübersehbarer Entscheidungsfaktor vom Big Serve aus erstem Stock bis zur Reichweite, die Laufmeter erspart und Netzattacken erleichtert. Da hatte David Fery, von Zverev als cleverer Taktiker gelobt, gegen den man immer volle Pulle spielen müsse, nichts entgegenzusetzen.

Natürlich stimmt´s, dass auch Carlos Alcaraz mit seinen 1,83m kein Riese ist, aber was dessen Genialität samt pfeilschneller Hand und sprintgewaltigen Beinen betrifft, gehlört er zu den Ausnahmen von der Regel,  dass die Durchschnittsgröße wächt und wächst – vor allem dann und dort, wo die Beläge immer schneller werden. Galten Stan Smith, genannt Turm von  Pasadena, mit 1,90m ebenso wie Bumm-Bumm Becker (1,88m) einst als Tennisriesen, so ist das mittlerweile das ganz normale Mittelmaß unter den Top 20-Spielern geworden, schlag nach bei Zverev, Medwedew, Berrettini bis Sinner, Shelton, Jodar, Mensik und Konsorten, die allesamt zwischen 1,90 und zwei Meter messen.

Sieht man von Don Carlos ab, so sind die Siegeschancen der Spieler unter 1,85m, dem Maß von Federer und Nadal, eher begrenzt  und damit auch der Gewinn an Preisgeldern, um die es ja unabhängig von Charisma und Flair im professionellen, kommerziellen  Sport geht. Es hat sich im Lauf der Jahre, was körperliche Vor-oder Nachteile betrifft, eine Zweiklassengesellschaft gebildet, die sich immer mehr vom Gleichheitsprinzip entfernt. Wenn sich daran  nichts ändert, werden die Reichen immer reicher und die Kleinen auch dank ihrer körperlichen Defizite immer mehr vom großen Kuchen ausgegrenzt, um diese politische Formel zu verwenden. 

Auch im Boxen, Ringen oder Judo würde kein Mittelgewichtler gegen einen (Super) Schwergewichtler antreten, von Sumo ganz zu schweigen. Und auch beim Rudern können sich ja schon längst Leicht- und Schwergewichte in eigenen Klassen am Riemen reißen – auch bei Olympia! Die Versuche im Tennis, die Chancengleichheit trotz anwachsender Größenunterschiede mit schwereren Bällen und langsameren Belägen zu erhöhen, bezahlen immer mehr vor allem die Stars, die ja viel mehr Spiele bestreiten, mit mehr oder weniger schweren Verletzungen und längeren Pausen. Das aber kann, Tradition hin, Geschichte her, nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Auch ein Arthur Fery hat nicht viel davon, wenn es einem leid tut, dass immer seltener ein David dem Goliath ein Bein stellen kann…

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