Im Vienna Marriott Hotel am Parkring in Wien vis a vis Stadtpark und Johann Strauß gab das ÖOC heute via ORF-Sport+ live das Olympiateam bekannt, das zwischen Livigno und Antholz, durch winkelige Bundestraßen und ebene Autobahnen etwa 500km entfernt, um Medaillen kämpft. Als Zielvorgabe wurde die Zahl 18 angegeben, das sind jene Medaillen, die vor vor vier Jahren in Peking erobert worden waren mit einer kleineren Selektion, die trotz Flugkosten kaum teurer gewesen sein kann als jene Auswahl von nicht weniger als 115 Sportler: Innen, die das ÖOC für die über ganz Norditalien verstreuten, oft weit voneinander entfernten Schauplätze (Livigno, Bormio, Malpensa, Mailand, Predazzo, Cortina, Antholz) nominiert hat.
Dazu sei vermerkt, dass zwei Golden Boys von vorgestern und gestern, der zweifach vergoldete Ski-Olympioniken-Sohn Johannes Strolz und der damalige Überraschungs-Olympiasieger im Rodeln, David Gleirscher, heute immer noch zwischen Podest und Top 10 der Branche, über die Klinge springen mussten. Also nicht dabei sind nach einer auch durch Kontingentbeschränkungen harten Ausscheidung, über die sich durchaus diskutieren ließe …
Vor allem deshalb, weil ein gutes Viertel der 115 (auch vom Skiverband) nominierten Olympiasportler: Innen ehrlich gesagt mehr oder weniger Olympiatouristen sind als Füllmaterial und Beiwagerln zu den etablierten alten Größen oder jungen Gold- und Medaillenhoffnungen wie etwa Riesenslalom-Queen Julia Scheib (Foto), auf die bis zum Olympia-Rennen eine Pause von fast vier Wochen zukommt, die sie nicht nur mit Training, sondern auch FIS-Rennen füllen muss.
Wo und wann, das konnte die Julia als einer der Stargäste, betreut von ihrer ÖSV-Pressechefin Manu Riegler, nicht sagen, sie will aber neben einem Riesenslalom auch des Tempogefühls wegen unbedingt einen Super G fahren. Vabanque-Spiel mit dem Risiko, wie ich fragte? „Nein“, so Scheib, die durch Kreuzbanrisse schon vele Rennjahre verloren hat, „weil dir ein Unglück überall passieren kann!“ Kurz gesagt, eine Frage des Selbstvertrauens, das ihr durch den Ausfall mit Zwischenbestzeit in Spindlermühle nicht abhanden gekommen ist, „weil ich das abgehakt hab´…“


Abgesehen davon, dass die alpinen Skiläufer in die Jahre gekommen sind, stellen die Brett-Akrobaten, also Snowboarder, das älteste Veteranenteam mit der 52-jährigen Manu-Schwester Claudia Riegler, die immerhin auch diesen Winter der ewigen Jugend noch auf den Spuren war, dem 44-jährigen Andi Prommegger, der mit seinen sechsten Spielen zu Olympiasiegerin Emese Hunyady und Rodellegende Markus Prock aufschließt, und schließlich Benjamin Karl, der im 41. Lebensjahr als Spätberufener Goldjunge und Titelverteidiger von Peking als Brett-BuIle von Wilhelmsburg bei St. Pölten die Brettl-Kollegin Lindsey überholen möchte – jener Frau Vonn, von der er angesichts der Medien-Hausse gemeint hatte, sie wäre nicht nur einmalige, sondern mehrfache Olympiasiegerin gewesen (Vancouver 2010).
Dieser Benjamin, altersmäßig das Gegenteil, das auf dem nachbarlichen Eibl und dem Muckenkogel vor der Haustür, wo Skipionier Zdarsky einst die Einstocklehre verkündet und praktiziert hatte, plauderte zudem als Schwiegersohn des einstigen Topfahrers und Pointenschleuderers Werner Grissmann aus dem familiären Nähkästchem. Das wiederum ist weder so lustig noch so witzig, wie es der ehedem schwergewichtige Lienzer Zwischenbestzeitkönig („I hab gegen den Klammer Franz nur verloren, weil i nachdenkt hab, was i euch im Ziel sag´n werd“) einmal war. Es ist nicht nur der Zahn der Zeit, der am WM-Dritten von Garmisch 78 nagt.
Werner, der über sein eigenes Übergewicht bis zu 150kg und mehr lauthals gescherzt hatte („I hob den Gofball net troffen, weil mei Bauch im Weg war“) ist inzwischen nur noch die halbe Portion. Ich drück ihm ebenso die Daumen wie allen anderen, vom denen die Rodler, die Springer und die Kombinierer die größten Chancen haben, als Olympioniken im Austria-Haus gefeiert zu werden. Sie hätten nach Cortina d´Ampezzo wenigstens halb so weit vor Ort oder zu Prsedazzo im Fleimstal. Ob so oder so – eben dort wird zu Wein, Gesang und Hausmannskost ganz sicher Schmalhans nicht Küchenmeister sein. Was auch auf die Größe des Olympiateams zutrifft…
Hier die Liste der 115 Auserwählten für Mailand/Cortina
BOB (12): Frauen (4): Katrin Beierl, Victoria Festin, Lea Haslwanter, Christania Williams. Ersatz: Nicola Pichler – Männer (8): Daniel Bertschler, Kristian Huber, Jakob Mandlbauer, Sebastian Mitterer, Daiyehan-Obafemi Nichols-Bardi, Markus Sammer, Sascha Stepan, Markus Treichl. Ersatz: Leo Sares. – EISKUNSTLAUF (1): Frauen (1): Olga Mikutina. – EISSCHNELLLAUF (6): Frauen (3): Vanessa Herzog, Anna Molnar, #Jeannine Rosner. – Männer (3): Alexander Farthofer, Ignaz Gschwentner, Gabriel Odor. – NORDISCHE KOMBINATION (3): Männer (3): Johannes Lamparter, Thomas Rettenegger, Stefan Rettenegger. – RODELN (11): Frauen (5): Selina Egle, Lara Kipp, Hannah Prock, Lisa Schulte, Dorothea Schwarz: – Männer (6): Juri Gatt, Nico Gleirscher, Wolfgang Kindl, Jonas Müller, Riccardo Schöpf, Thomas Steu: – SHORT TRACK (1): Männer (1): Nicolas Andermann. – SKELETON (3): Frauen (1): Janine Flock: -Männer (2): Florian Auer, Samuel Maier. – SKI ALPIN (22): Frauen (11): Nina Astner, Stephanie Brunner, Katharina Gallhuber, Lisa Hörhager, Katharina Huber, Cornelia Hütter, Nina Ortlieb, Mirjam Puchner, Ariane Rädler, Julia Scheib, Katharina Truppe. – Männer (11): Stefan Babinsky, Stefan Brennsteiner, Manuel Feller, Lukas Feurstein, Patrick Feurstein, Fabio Gstrein, Raphael Haaser, Daniel Hemetsberger, Vincent Kriechmayr, Michael Matt, Marco Schwarz. – SKIBERGSTEIGEN (2): Frauen (1): Johanna Hiemer. – Männer (1): Paul Verbnjak. – SKI CROSS (7): Frauen (3): Christina Födermayr, Sonja Gigler, Katrin Ofner: – Männer (4): Johannes Aujesky, Christoph Danksagmüller, Nicolas Lussnig, Adam Kappacher. – SKI FREESTLYE / FREESKI (6): Big Air, Slopestyle, Halfpipe: Frauen (1): Lara Wolf: – Männer (3): Samuel Baumgartner, Julius Forer, Matej Svancer: – Buckelpiste: Frauen (2): Avital Carroll, Katharina Ramsauer: – SKILANGLAUF (8): Frauen (5): Lisa Achleitner, Katharina Brudermann, Heidi Bucher, Magdalena Scherz, Teresa Stadlober: – Männer (3): Michael Föttinger, Benjamin Moser, Mika Vermeulen: – SKISPRINGEN (8): Frauen (4): Lisa Eder, Lisa Hirner, Julia Mühlbacher, Meghann Wadsak: – Männer (4): Stephan Embacher, Jan Hörl, Stefan Kraft, Daniel Tschofenig. – SNOWBOARD (16): Alpin (7): Frauen (3): Martina Ankele, Sabine Payer, Claudia Riegler. – Männer (4): Benjamin Karl, Fabian Obmann, Alexander Payer, Andreas Prommegger. – Cross (5): Frauen (1): Pia Zerkhold. – Männer (4): Jakob Dusek, Alessandro Hämmerle, Lukas Pachner, David Pickl. – Freestyle (4) – Big Air, Slopestyle, Halfpipe: Frauen (2): Anna Gasser, Hanna Karrer. – Männer (2): Florian Lechner, Clemens Millauer.













