Wäre super, würde es auch im Rennen selbst solch pompöse bis mehr als passable Resiltate geben wie in den heutigen Trainingsläufen der Damen in Tarvis und der Herren beim Lauberhorn-Klassiker in Wengen. Das Tarvis-Resultat mit der mehrfach rundunerneuerten Olympionikentochter Nina Ortlieb als Schnellster und sieben ÖSV-Damen unter den Top 15 erinnerte an beste Zeiten, wobei Training und Rennen halt immer zwei Paar Schuhe oder Skistiefel sind, schlag nach bnei einer gewissen Frau Canden Moreno aus Andorra, die mit hoher Nummer als Fünfte das Establishment sprengte. Kann das neu etikettierte Ski-Austria-Imperium aber auch im Ernstfall nach dem historischen Debakel von Zauchensee so eindrucksvoll zurückschlagen? Das ist
die Frage, die die patriotische Skiseele quält…



Tarvis-Trainingsbeste Nina Ortlieb, schwächelnde Olga Mikutina und entkräftete, enttäuschte Lilli Tagger:
Ähnliches gilt auch für Wengen, wo allerdings die auftrumpfenden Außenseiter des ersten Trainings bei der Generalprobe auf der längsten Abfahrt im Weltcup bestätigten, wie gut sie auf dieser klassischen Strecke mit Highspeed um 150km/h unterwehs und drauf sind. Gilt für den zweimaligen, bisher mediak zumindest hierzulande kaum beachteten Trainingsbesten Franzoni aus dem Italien-Team ebenso wie für den Finnen Lehto (10.) oder den Chilenen Henrik von Appen (11.), der sogar schneller war als Champions wie Vincent Kriechmayr oder Hausherr und Überdrüber-Odermatt – und abgesehen von RTL-Weltmeister und Abfahrtsneuling Raphael Haaser (4.) um Eckhäuser schneller als unsere jungen Abfahrer, die sich eher hinten anstellen mussten. Anders als die alten Hasen oder schon routiniertere jüngere Hupfer wie Weltmeister Franjo von Allmen, die sich im Training nur auf Schlüsselstellen konzentrieren wie etwa Canadian Corner, Kernen-S oder Zielkurve, werden sie wohl nicht mit verdeckten Karten gefahren sein, oder?
Bei allen Hoffnungen, dass sich im Countdown das Skiblatt zu unseren Gunsten wendet, so hat es nichts mit Beckmesserei oder Nörglerei zu tun, wenn man Trainingstriumphe eher mit Vorsicht genießt, denn wichtig ist das Ergebnis, wenn´s ums Eingemachte geht. Hierzulande hat es sich eingebürgert, nicht zuletzt des Sponsoreninteresses wegen mehr oder weniger Minimalerfolge mit übertriebenen Vorschusslorbeeren zu verbinden, denen nur die wenigsten dann gerecht werden können/konnten. Damit will ich auch den Bogen von Winter, Ski und Schnee zur aktuellen Eiszeit im Kunstlauf und zum anderen weißen Ganzjahressport spannen, also Tennis.
Da wie dort sieht man, wie schwierig der Übergang vom hochgejubelten Juniorenstar(let) selbst zur Weltklasse bei den Großen ist. Ob das jetzt das immer schwächer werdende, bei uns eingebürgerte ukrainische Nicht-mehr-Springinkerl Olga Mikutina ist, die als Kunstlauf-Teenager tolle WM-Achte war, jetzt aber nur noch Platz 15 im aktuellen EM-Kurzprogramm von Sheffield belegt hat. Oder die ehemaligen Nummern 1 im Juniorentennis wie Joel Schwärzler und bei alem Respekt vor Erfolgen auf dritter Ebene auch einer Lilli Tagger (demnächst 18), die in der Australian-Open-Qualifikation an einer höchstens Insidern bekannten Thailänderin nach zwei Dreisatzsiegen entkräftet scheiterte.
Wir werden hierzulande lernen müssen, dass sich zum einen viele Parameter in einer globalisierten Sportwelt (zu unseren Ungunsten) verschoben haben, zum anderen zwischen Test und Ernstfall, zwischen Schein und Sein ein Trennstrich gezogen werden muss. Was unser Sport braucht, das sind Sportler: Innen, die dann vorn sind, wenn´s drauf ankommt. Und davon gibt es, wenn man ehrlich ist, immer weniger vor allem junge Kapazunder. Würd´ mich aber freuen, könnten mich unsere mehr oder weniger jungen Löwen/innen vom Gegenteil überzeugen …
PS: Hätte es eines Beweises bedurft, dann wurde er jetzt bei der Handball-EM geliefert. Die relativ knappe 27:30-Niederlage der Österreicher gegen den großen Bruder Deutschland wurde im heimischen Fernsehen auch in den nachfolgenden Interviews in einem Überschwang der Gefühle so gefeiert, als hätten wir gewonnen, begleitet von der trotzreaktionären Ankündigung, dass wir mit Rat und Taktik des neuen Teamchefs aus Spanien halt die Spanier und dann die Serben schlagen. Basta. Fazit: Optimismus ist richtig, Realismus aber noch viel wichtiger.













