Es war die längste Zeit bei uns kein Thema gewesen und es hat darum auch lange gedauert, bis die Erinnerungslücken gerschlosen wurden. Da aber zwangsweise die algerischen Medien und ihnen naheliegende französische wie spanische vor dem Sonntagsduell Österreichs gegen Algerien um Aufstieg, Platz zwei oder drei in der Gruppe natürlich an die Schande von Gijon bei der WM 1982 erinnerten, bei der die Nordafrikaner auf der Strecke geblieben waren, mussten auch wir in alten Wunden rühren. Ich war damals live dabei, als Österreich wie unter den Bundesliga- und weiteren Legionären vereinbart, gegen die von Algerien besiegten Deutschen mit 0:1 (Oberschenkeltor von Hrubesch, 19.) verloren, womit wir und der Europameister 1980 weiterkamen, die Afrikaner aber ebenso wie die Fans auf den Tribünen im Molinon-Stadion empört waren und sich um ein echtes Match geprellt fühlten
Es war wahrlich kein Ruhmesblatt in den ÖFB-Annalen, aber die Fifa trug Schuld daran, weil damals die engtscheidenden Gruppenspiele nch nichtnzur gleichen Zeit ausgetragen worden war, wir und die Deutschen also genau wussten, was rechnerisch nötig war. Wie gesagt, ich war vor Ort und wunderte mich, dass vor dem Anpfif Reinhold Hintermaier, schussklräftiger Legionär bei Nürnberg, damals noch erste Bundesliga, am Mittelkreis mit einem oder waren es zwei deutschen Führungsspieler sehr lange plauderte. Merkwürdig, das dachte ich mir, ehe die Deutschen als Favoriten gegen unser damals nominell bestes Team (Koncilia, Obermayer, Pezzey, Prohaska, Hintermaier, Hattenberger Kreuz, Jara, Krankl) nach kmapp 20 Minuten nach einem Eckball in Führung gingen. Sollte es uns an den Kragen gehen, obschon wir zwei Siege am Konto hatten (1:0 gegen Chile, 2:0 gegen Algerien), aber bei einer möglichen hohen Niederlage die Koffer hätten packen müssen? Oder die Deutschen bei einem Ausgleich?
Einige unserer Kicker sollen sich laut algerischen Medien später entschuldigt haben für eine nicht nur an Wettskandal grenzende Farce, was aber nichts daran ändert, dassbes so etwas bei einer WM in dieser drastisch-dreisten Form weder vor- noch nachher gegeben hat oder auch geben konnte. Der einzige, der nicht eingeweiht worden war in die unheilige deutsch-österreichische Allianz, beschlossen mit dem Segen des Teamchef-Duos Schurl Schmidt (+) und Felix Latzke, war Italien-Legionär Walter Schachner, der sich lauthals darüber beschwerte, dass er stets in Stellung gesprintet war, aber nie einen Ball bekam. Blöd gelaufen. Buchstäblich.
Nach dem 1:0 wurde der beschlossene Waffenstillstand ohne Wimpernzucken eingehalten, auch wenn die erzürnten Zuschauer die ganze zweite Hälfte ein Pfeifkonzert nach dem anderen, nur unterbrochen von Algeria-Sprechchören, anstimmten. Verständlich, denn von Fußball war keine Rede mehr, man schob sich nur in der neutralen Zone zwischen Strafraum und Mittelkreis den Ball unaufhörlich zu, als wollte man nichts anbrennen lassen. Brandheiß waren nur die Algerier. Und die Fans.
Die Deutschen übrigens, für die wir uns in alter historischer und neuer Legionärs-Verbundenheit ins Fettnäpfchen gesetzt hatten, bekamen weniger Fett ab in den Medien als wir, die als Betrüger hingestellt wurden. Ich musste es mit ansehren und anhören, als wir in der Zwischenrunde emim alten Manzares-Stadion von Atletio in Madrid gegen Nordirland und Frankreich spielten, ausgebuht wurden und dann ausgeschieden sind.
Wir Ösi-Reporter saßen übrigens hinter dem aus Fürth stammenden und darum auch lebenslang treuen Fürth-Fan Henry Kissinger, legendärer US-Außenminister, und seinerneinen Kopf größeren Frau Nancy mit Zahnspange. American way of life. Glück hat er uns keines gebracht. Die von uns in die Zwischenrunde beförderten Deutschen hingegen wurden Vizeweltmeister und nicht derart an den Pranger gestelllt wie wir – ausgenommen DFB-Tormann Harald „Toni“ Schumacher, der im Semifinale den Franzosen-Star Battiston per Faust ungestraft ins Land der Träume beförderte, aber nicht ausgeschlossen wurde, Deutschland ins Endspiel verhalf und auch im (Verlängerungs-Finale, 1:3) spielen durfte.
Die Algerier haben, wie man medialen Berichten entnehmen kann, im Gegensatz zu vielen jüngeren österreichischen-ReporterInnen, die die Gijon-Schande vor 44 Jahren höchstens seit kurzem vom Hörensagen kennen, weil sie 1982 noch nicht geboren waren, natürlich nicht vergessen. Und sich via Medien auf Revanche eingeschworen, darunter auchn der Ex-Porto-Star und Europacupsieger Madjer. Dabei wär´s diesmal eim Leichtes, sich in dieser Neuauflage des Duells auf ein Unentschieden zu einigen, das beiden zum sicheren Aufstieg verhilft. Die Algerier hingegen pochen auf ihren Nationalstolz, der nach Rache ruft, wie lang die Schmach von damals auch her sei. Diemal sitze ich in Wien daheim oder im Spital, um zu sehen, was gespielt wird. Oder auch nicht, weil Lippenbekenntnisse zim part of the game gehören. Ehrlich gesagt ist alles drin, möglich und nicht auszuschließen.
